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Kandidat für den CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen, der Überraschende

Kandidat für den CDU-Vorsitz : Norbert Röttgen, der Überraschende

Als Armin Laschet in der letzten Kandidatenrunde sagte, er habe immerhin schon mal Wahlen gewonnen, „das kann ja auch nicht schaden“, war das ein Seitenhieb auf Norbert Röttgen. Der hatte nämlich im Jahr 2012 die nordrhein-westfälische Landtagswahl krachend verloren.

Dass er danach ungerührt seine Karriere als Umweltminister in Berlin fortsetzen wollte, statt Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag zu werden, war der wohl größte Fehler im Leben des heute 55-jährigen Rheinländers. Der Unmut darüber war so groß, dass Angela Merkel ihren Vertrauten aus dem Amt entließ. Er war der erste und einzige, mit dem die Kanzlerin so umsprang.

Röttgen hat sich von dem Schlag erholt. Er überwinterte als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages und gab viele Interviews zu internationalen Fragen. Bei Auftritten wirkte er mit seinen grauen Haaren, seinem gepflegten Auftreten und seiner sonoren Stimme fast wie ein US-Senator. Dass er sich als erster nach Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktrittsankündigung im Frühjahr 2020 ins Nachfolgerrennen stürzte, überraschte viele. Aber Röttgen hat noch nicht fertig. Er sieht in diesem Bewerberfeld seine Chance darin, nicht nur der Jüngste, sondern auch der Modernste zu sein, derjenige, der die Partei öffnet für grüne Themen, für die Gleichstellung der Frauen, für ein neues Gesellschaftsbild. Als Mann der Zukunft.

Röttgen will eine klare Abgrenzung nach Rechts und mehr Beteiligung der Basis. „Ich bin kein Lager, ich stehe für alle“, sagte er. Außerdem ließ er als einziger der drei Bewerber durchblicken, dass er einem anderen, etwa CSU-Chef Markus Söder, bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt lassen könnte. Das entspricht dem Wunsch der meisten CDU-Mitglieder, die keinen der drei Bewerber wirklich für kanzlerfähig halten. So hat Röttgen mächtig aufgeholt und inzwischen mehr als nur eine Außenseiterchance. Laschets Spruch hätte er übrigens leicht kontern können: Auch Röttgen hat schon mal eine Wahl gewonnen. Und zwar die parteiinterne Urabstimmung 2010 darüber, wer CDU-Landesvorsitzender in NRW werden sollte. Sein Gegner damals: Armin Laschet.