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Kandidat für den CDU-Vorsitz: Friedrich Merz, der Aufmüpfige

Kandidat für CDU-Vorsitz : Friedrich Merz, der Aufmüpfige

Es hatte im Oktober den Anschein, also ob Friedrich Merz eine Grenze überschritten hätte. Damals wurde der CDU-Parteitag erneut verschoben, und der Sauerländer zückte die Bazooka: Das „Parteiestablishment“ wolle ihn als Kandidaten auf den Vorsitz verhindern, ätzte er.

Gänzlich Unrecht hatte Merz damals nicht, denn in der CDU-Führung hat er kaum Freunde. Doch die Verschiebung war Corona geschuldet, keine Intrige. Aber so ist Merz: Er polarisiert und mobilisiert.

In den Umfragen lag der 65-Jährige stets vor seinen Mitbewerbern, auch wenn er an Vorsprung eingebüßt hat. Merz gehörte lange Zeit selbst zum Establishment. Er war Unions-Fraktionschef, Wirtschaftsexperte, Erfinder der Steuerreform auf dem Bierdeckel, bis Angela Merkel ihn auf ihrem Weg nach oben ins Aus drängte. 2009 zog er sich aus der Politik zurück, verdiente dann sein Geld als Wirtschaftsanwalt und Unternehmensberater. Und das nicht schlecht: Merz ist Millionär mit eigenem Flugzeug.

Als Merkel 2018 ihren Rückzug als Vorsitzende ankündigte, kam er zurück auf die politische Bühne. Gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verlor Merz zunächst auf dem Parteitag in Hamburg knapp, nun aber hat er gute Chancen, neuer Chef zu werden. Denn er bedient das, was viele in der CDU so schmerzhaft vermissen: das Konservative, das Wirtschaftsprofil, die klare Kante, gerade gegen die AfD. Die Krise will er zur ökonomischen Erneuerung nutzen. Seine Fans lieben ihn für zündende Reden. Oft hat er allerdings durch missverständliche Äußerungen den Unmut auf sich gezogen. Merz‘ Gegner sagen daher, er sei ein Mann von gestern ohne Gespür für soziale Belange, für Frauen, für Minderheiten. In der Union können sich viele nicht vorstellen, wie er als Kanzlerkandidat ein Bündnis mit den Grünen schmieden will.

Unter den drei Kandidaten gilt der Mann aus Brilon als der akribischste Wahlkämpfer. Er hat die Landesverbände bearbeitet. Auch in der Corona-Zeit. „Meine Chancen schätze ich gut ein“, sagt er. An Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt.