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Interview mit Karl Lauterbach: „Gemeinsames Schauen der EM-Spiele möglich“

Interview mit SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach : „Gemeinsames Schauen der EM-Spiele ist möglich“

Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe hält eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen und Straßen jetzt für verzichtbar.

Eine Lockerung der Maskenpflicht ist nach Ansicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach wegen sinkender Inzidenzen möglich – aber nicht überall. Im Gespräch mit unserer Redaktion begrüßt er die Aufforderung von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) an die Länder, das Tragen von Masken auf ihre Verhältnismäßigkeit zu prüfen.

Herr Lauterbach, inwieweit kann die Maskenpflicht wieder weg?

LAUTERBACH Für ganz Deutschland, bei jeder Gelegenheit, überall – das geht selbstverständlich nicht. Die Maskenpflicht kann aber gelockert werden. Was wir ja gelernt haben in den letzten Monaten ist, dass die Übertragung des Virus im Wesentlichen in den Innenräumen stattfindet.

Das heißt im Umkehrschluss?

LAUTERBACH Mit der geringen und rückläufigen Inzidenz, die wir derzeit Gott sei Dank beobachten, ist die Maskenpflicht auf Straßen und öffentlichen Plätzen nicht mehr unbedingt notwendig. Dann genügt der Hinweis, die Abstände einzuhalten. Wenn Menschen sich in Außensituationen infizieren, und dazu kann es kommen, dann führt das in der Regel nicht zu einem Super-Spreading-Ereignis. Derjenige, der sich ansteckt, der ist ins Risiko gegangen und war nicht vorsichtig genug. Aber die Gefahr ist dann gering, dass er viele andere infiziert. Wichtig ist, wenn man auf die Maske verzichtet,dass es sich tatsächlich um einen Außenbereich handelt und nicht zu viele Menschen sich dort versammeln. In den Innen-Bereichen sollte die Maßgabe weiter gelten. Dort kommt es immer noch zum Super-Spreading. Und der Verzicht auf die Masken wäre so wenige Wochen vor der Impfung von vielen nicht verantwortbar und ein Fehler.

Derzeit ist Fußball-EM, viele Menschen schauen wieder zusammen die Spiele. Wie groß ist das Risiko?

LAUTERBACH Das ist ein Restrisiko. Aber: Vor den Restaurants und Kneipen ist das gemeinsam Schauen der Spiele möglich. Die Maskenpflicht ist dann auch nicht unbedingt notwendig. Aber es müssen die Abstände eingehalten werden. Wobei sie beim Fußballgucken vielfach sowieso nicht mehr umgesetzt wird, weil man mit einem Getränk vor dem Fernseher sitzt. Was nicht geht, ist ein Public Viewing, wo die Leute auf engem Raum zusammenstehen.

Justizministerin Christine Lambrecht sagt, die Länder sollen nun die Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht prüfen. Ist das der richtige Weg?

LAUTERBACH Im Großen und Ganzen begrüße ich den Vorstoß, der ja auch auf dem fußt, was wir derzeit an wissenschaftlichen Erkenntnissen vorliegen haben.

Hoffen Sie darauf, dass auch nach der Pandemie Masken weiter zum Alltag gehören?

LAUTERBACH Wir haben ja gesehen, dass wesentlich weniger Menschen nicht nur von der Grippewelle, sondern auch von Erkältungs- oder anderen Corona-Viren befallen worden sind. Ich würde mir wünschen, dass im Herbst und im Winter insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr, also in Bussen und Bahnen, weiter Masken getragen werden. Dann würden wir sehr viel besser durch die kalte Jahreszeit kommen. Das vermeidet übrigens nicht nur Krankheiten, sondern auch Kosten.

Also Asien als Vorbild?

LAUTERBACH Ja. Ich würde sehr begrüßen, wenn auch in Deutschland ähnlich wie in Asien Masken häufiger getragen werden. Insbesondere in den Erkältungsmonaten.