Interview: Astronaut Matthias Maurer über seine Mondflug-Chance

Interview: ESA-Astronaut Matthias Maurer über seine Chancen, zum Mond zu fliegen : „Im November kann ich sagen, ob es klappen könnte“

Die USA planen für das Jahr 2024 eine erneute Mond-Mission. Mit dabei könnte auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer aus dem Oberthaler Ortsteil Gronig im Landkreis St. Wendel sein.

Herr Maurer, am 21. Juli jährt sich die Mondlandung zum 50. Mal. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Bilder sehen?

MATTHIAS MAURER Ich habe die Bilder jetzt schon so oft gesehen, und sie beeindrucken mich immer wieder. Die Mondlandung ist zwar schon 50 Jahre her, aber damals haben die Amerikaner etwas geschafft, was heute immer noch unglaublich wirkt. Das war eine enorme Leistung und sie waren ihrer Zeit weit voraus. Ich lerne jedes Mal noch etwas dazu, wenn ich mich mit der Apollo-11-Mission beschäftige.

Wie realistisch sind denn Ihre Chancen, einmal auf dem Mond herumzulaufen?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich gar nicht so direkt beantworten kann. Im November steht eine Esa-Konferenz an, bei der die Mitgliedsländer der europäischen Raumfahrtagentur Gelder einstellen und Projekt-Wünsche äußern können. Der Mond ist ein Thema, was jetzt ziemlich aktuell dazugekommen ist. Die Amerikaner wollten dort ursprünglich 2028 landen, das haben sie jetzt aber vier Jahre vorgezogen. Und wir Europäer haben die unglaubliche Möglichkeit, dabei mitzumachen. Dazu müssen wir aber extra Gelder einwerben, die nicht vorgesehen sind. Wenn wir die Gelder nicht bekommen, geht meine Chance, zum Mond zu fliegen, quasi Richtung Null. Im November werde ich sagen können, ob es klappen könnte.

Warum ist Forschung im Weltraum so wichtig?

MAURER Wir erzielen dort viele Ergebnisse. Das sind oft auch ganz grundlegende Dinge, die uns den Alltag erleichtern.

Können Sie ein paar dieser Forschungsergebnisse nennen?

MAURER Jetzt, wo wir 50 Jahre Mondlandung feiern, fange ich mal damit an, was die Apollo-Mission gebracht hat. Damals haben sie noch mit Rechenschiebern gearbeitet. Aber die Computer-Entwicklung wurde für die Mondlandung enorm vorangetrieben. Das heißt, alle Handybesitzer profitieren davon, dass die Amerikaner damals zum Mond wollten. Heutzutage hat ein modernes Mobiltelefon mehr Rechenleistung als die komplette Nasa beim Apollo-Programm.

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