Immer mehr Saarländer haben einen kleinen Waffenschein

Kostenpflichtiger Inhalt: Zahl der kleinen Waffenscheine steigt stark an : Immer mehr Saarländer bewaffnen sich

Die Zahl der kleinen Waffenscheine im Saarland hat sich seit dem Jahr 2014 mehr als verdreifacht. Die Gewerkschaft der Polizei ist alarmiert und warnt vor einer Eskalation der Gewalt, die SPD befürchtet amerikanische Verhältnisse.

Immer mehr Menschen im Saarland wollen sich bewaffnen und beantragen dazu bei den Behörden die erforderliche Erlaubnis. Ende Oktober des vergangenen Jahres waren 9377 Menschen im Besitz eines kleinen Waffenscheins, der zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen außerhalb der eigenen Wohnung berechtigt.

Damit hat sich die Zahl seit dem Jahr 2014 mehr als verdreifacht (3102), wie die Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Dennis Lander zeigt. Unter den Besitzern eines kleinen Waffenscheins waren den Angaben der Regierung zufolge auch fünf Personen, die als Rechtsextremisten bekannt sind.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte alarmiert auf die neuen Zahlen. Man sehe „den Trend zur Selbstbewaffnung mit großer Sorge“, erklärte der GdP-Landesvorsitzende David Maaß. Die Verdreifachung der kleinen Waffenscheine bestätige die Vermutung, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erheblich geschwächt sei. „Die Bürger trauen dem Staat und vor allem der saarländischen Polizei nicht mehr zu, sie ausreichend zu beschützen“, sagte Maaß. Er forderte, die Polizei bis zum Jahr 2030 von 2344 auf 3000 Polizisten aufzustocken.

Das Mitführen einer Schreckschusswaffe gebe dem Besitzer jedoch nur das trügerische Gefühl, sicher zu sein. Dabei werde oft verkannt, dass dies zu einer Gewalteskalation mit dem potenziellen Angreifer führen könne. Auch die Polizei könne das Mitführen einer täuschend echt aussehenden Schreckschusswaffe in die missliche Lage bringen, selbst von der scharfen Schusswaffe Gebrauch machen zu müssen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Berg warnte vor einer „Amerikanisierung der Zustände“. Mehr Waffen schafften nur Scheinsicherheit und steigerten die Spirale der Gewalt.