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Heimische Tourismus-Regionen hoffen auf Corona-Lockerungen

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Lockerungen : Das große Hoffen auf den Deutschland-Urlaub

Schwarzwald oder Saarland statt Mallorca oder Ägypten: Die heimische Tourismus-Branche blickt optimistisch auf ein Ende der Corona-Reiseverbote.

Das Coronavirus schränkt die Deutschen auch bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen ein: den Urlaubsreisen. Der Tourismus ist völlig zum Erliegen gekommen. Doch hinter den Kulissen arbeitet die Branche an einem Neustart. Denn vor allem die deutschen Tourismus-Regionen – und mit ihnen das Saarland – sehen die Möglichkeit, nach ersten Lockerungen von der Krise zu profitieren, „in deren Verlauf es wirtschaftlich betrachtet nur Verlierer gibt“, sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel-Tourismus GmbH.

Wie heftig die Branche derzeit leidet, verdeutlicht Dirk Dunkelberg von der Geschäftsführung des Deutschen Tourismus-Verbandes (DTV). Dieser vertritt die Tourismus-Organisationen in den Ländern, Regionen und Kommunen. „Ohne Corona hätten wir 2020 zum elften Mal hintereinander einen Rekord bei den Übernachtungszahlen erreicht. Jetzt sind die Betriebe geschlossen.“

Der Tourismus-Verband erhofft sich jedoch schon im Mai/Juni erste Lockerungen. „Dann wäre zumindest der Deutschland-Urlaub zu retten und am Ende des Jahres der Deutschland-Tourismus mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Dunkelberg. Deutschland könne in diesem Jahr als Reiseland profitieren, zumal Urlaub im Ausland wegen der allgemeinen Reisebeschränkungen wohl nicht möglich sei. Viele Betriebe stünden bereits in den Startlöchern und seien auch in der Lage, den nötigen Schutz vor Corona zu garantieren. Etwa durch Desinfektionsmittel oder Abstandsregelungen für Gemeinschaftsbereiche wie Frühstückräume, in denen man mehrere feste Zeiten mit bestimmter Teilnehmerzahl festlegen könne. Auch Übernachtungen hält Dunkelberg für realisierbar, in autarken Bereichen wie Ferienwohnungen oder im eigenen Reisemobil auf einem Campingplatz. So ließen sich Schutzmaßnahmen besser einhalten. Gegenwärtig befürchtet die deutsche Reisebranche aber, dass viele Betriebe die Corona-Krise finanziell nicht überleben werden.

Gleichzeitig warnt die Branche Hotelbetreiber und Gastronomen davor, nach Lockerungen die Preise anzuheben, um Verluste durch möglicherweise weniger Feriengäste auszugleichen. „Wir werden nicht in eine Preisschlacht gehen“, sagt Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutsche Bodensee Tourismus GmbH. Sie rechne nicht mit Preiserhöhungen. „Das wäre jetzt ein falsches Signal.“ Genauso falsch sei aber, wenn Betriebe anfingen, „sich über den Preis zu definieren und ihn extrem senken würden“.

Stegmann ermutigt Urlauber, jetzt schon eine Sommerreise in Deutschland zu buchen. Der Gast habe ein absolutes Stornorecht für den Fall, dass nicht gereist werden dürfe. Allerdings müssten Urlauber wegen der besonderen Corona-Lage in diesem Jahr in Kauf nehmen, dass nicht alles geöffnet sei. Niemand könne heute sagen, welche Freizeiteinrichtungen und Strandbäder zur Verfügung stünden (siehe auch Bericht auf Seite B1). „Die Gäste müssen sich zum Beispiel am Bodensee sicherlich auf einen anderen Urlaub einstellen, als sie es normalerweise gewohnt sind“, sagt Stegmann. „Dafür sind Seen, Berge und Landschaften weiterhin vorhanden. Auch Radfahren und Wandern bleiben möglich.“

Ihr Kollege Wolfgang Weiler, Sprecher des Schwarzwald-Tourismus, bewahrt sich selbst in der Krise noch etwas Humor: „Wir haben im Schwarzwald alles zu bieten außer Sandstrände, Nord- und Ostseewellen.“ Seiner Ansicht nach „werden wir ganz sicher davon profitieren, dass die Bundesbürger in diesem Jahr voraussichtlich nicht ins Ausland reisen können“. Dadurch könne es gelingen, „einen Teil der Verluste zu kompensieren, die die Gastronomie und Hotellerie in diesen Monaten eingefangen hat“. Indes fehlten in diesem Jahr auch Urlauber aus dem Ausland.

Eifel-Tourismus-Geschäftsführer Schäfer hat schon wieder etwas Hoffnung angesichts erster Versuche, beispielsweise Tierparks wieder zu eröffnen. „Dann sucht man sich natürlich die aus, die regional vor der Haustüre gut erreichbar sind“, sagt Schäfer. Die Eifel profitiere dabei auch von Gästen aus dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Der Wildpark in Daun biete etwa die Möglichkeit, im eigenen Auto eine Auto-Safari durch den Wildpark und die Tiergehege zu machen. Allerdings müsse man auch hier in Kauf nehmen, dass der Spielplatz, der Streichelzoo und die Restauration erst einmal weiter geschlossen bleiben. Schäfer nennt einen weiteren Vorteil für den Besuch: Gäste seien im eigenen Auto unter Wahrung der Hygienemaßnahmen geschützt unterwegs. „Da kann nichts passieren.“

Auch das Saarland habe gute Chancen, vom erzwungenen Deutschland-Trend im Tourismus zu profitieren, sagt Birgit Grauvogel, Chefin der Tourismuszentrale Saar. Das Saarland sei ideal geeignet für Tages-Tourismus und einen Kurzurlaub. „Unsere Chance ist, dass unsere Region nicht so überlaufen ist. Viele werden sich in diesem Jahr eine Alternative zu den traditionell schon sehr stark nachgefragten Regionen suchen“, prognostiziert Grauvogel. Das Saarland sei ideal zum Wandern und Radfahren. Voraussetzung zum Erfolg sei indes, dass Hotels und Gaststätten unter Auflagen öffnen dürfen. Auch für Sehenswürdigkeiten ließen sich dann Mengenbeschränkungen bei Besuchern einführen. Auch Grauvogel rät von Preiserhöhungen ab. Betriebe sollten lieber „durch ihre Leistung“ überzeugen. Denn in einem ist sich die Chefin der saarländischen Tourismus-Zentrale absolut sicher: „Die Leute wollen raus. Und nach der Krise wollen sich viele erst einmal etwas gönnen.“