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Grüne legen Test vor: Familien wird das Reisen verteuert - Miete teilweise höher als Neuanschaffung

Grüne legen Test vor: Familien wird das Reisen verteuert - Miete teilweise höher als Neuanschaffung

Familienfreundlich ist das sicherlich nicht. Wer in Deutschland ein Auto leiht und einen Sitz für seine Kinder benötigt, der zahlt offenbar ordentlich drauf. So müssen laut Grüne zum Teil deutlich über 70 Prozent der eigentlichen Auto-Miete zusätzlich ausgegeben werden.

Der Aufpreis für eine Sitzerhöhung kann sogar teurer sein, als eine Neuanschaffung im Laden. Die Grünen werfen den führenden Autovermietern deshalb Abzocke vor. Sie haben das Preisgebaren der Anbieter unter die Lupe genommen.
Ohne geht es nicht, denn Kinder müssen von Geburt an bis zu ihrem 12. Lebensjahr oder bis zu einer Körpergröße von 150 Zentimetern in einem für das jeweilige Gewicht geeigneten Kindersitz befördert werden. Was das kosten kann, wenn man einen Wagen mietet, hat die Grüne-Bundestagsfraktion getestet - an den Flughäfen in Berlin-Tegel, in München, Saarbrücken und Köln-Bonn wurde jeweils der Preis für einen Golf oder Astra plus Kindersitz abgefragt.
Ergebnis: "Besonders die großen Autovermietungen zocken bei den Kindersitzen ab. Das geht schon in Richtung Wucher, wenn Sitzerhöhungen, die 15 Euro kosten, für 20 Euro am Tag vermietet werden", so der Verbraucherexperte der Fraktion, Markus Tressel. Laut der unserer Zeitung vorliegenden Erhebung verlangt beispielsweise der Anbieter "Hertz" in Köln-Bonn 22 Euro am Tag für einen Kindersitz oder eine Sitzerhöhung, während das Auto für den gesamt Tag lediglich 99 Euro kostet. Bei "Sixt" sind es an den getesteten Standorten in der Regel 14,55 Euro, bei "Europcar" 14,82 Euro. "Avis" und "Budget" nehmen 12,30 Euro, unter zehn Euro berechnet "Buchbinder". Nach Angaben der Grünen sind die kleinen Firmen meist günstiger als die großen Anbieter. So nehmen die Autovermietungen "Caro" und "sunnycars" nur sechs beziehungsweis 8,33 Euro für einen Kindersitz.
Die Grünen beklagen, dass die Vermieter dadurch den Familien das Reisen deutlich erschweren und verteuern. Vor allem dann, wenn man den Preis für einen Kindersitz ins Verhältnis zur Wagenmiete setzt. So kostete zum Beispiel am Flughafen Berlin-Tegel bei "Europcar" ein Auto für fünf Tage täglich 38,12 Euro. Für zwei Kindersitze pro Tag waren aber stolze 29,64 Euro zu berappen. "Das sind zusätzlich fast 78 Prozent des Mietpreises pro Tag", kritisieren die Grünen. Bei "Budget" in Köln-Bonn betrugen die Kosten für zwei Kindersitze sogar 87 Prozent des Mietpreises, den man für einen Astra für sieben Tage zahlen musste. "Das ist ärgerlich und schadet am Ende auch dem Ruf der Vermieter", so Tressel.
Doch was kann man dagegen tun? Die Grünen raten dazu, die Preise zu vergleichen. Außerdem werde man die die "familien-unfreundliche Preispolitik" weiter öffentlich thematisieren, betont Tressel. In der Hoffnung, dass die Anbieter die Kosten dann deutlich verringern. Vom Verband der Autovermieter gab es zunächst keine Stellungnahme zum Test.