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Grüne Bremser, dunkelrote Treiber Wie die möglichen Bündnispartner auf die Nominierung von Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat reagieren.

SPD-Kanzlerkandidatur : Grüne Bremser, dunkelrote Treiber

Wie die möglichen Bündnispartner auf die Nominierung von Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat reagieren.

Erst das rot-rot-grüne Plädoyer von SPD-Chefin Saskia Esken, dann die Kür von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten – Grüne und Linkspartei reagieren unterschiedlich auf die aktuelle Entwicklung bei den Sozialdemokraten. Die einen bremsen, die anderen fühlen sich als Treiber. Für seine Partei ändere die Scholz-Kandidatur „gar nichts“, hatte Grünen-Chef Robert Habeck schon kurz nach Bekanntwerden der Personalie am Montag gesagt. Auch die Verlockung eines künftigen Linksbündnisses womöglich sogar unter grüner Regie ließ Habeck unbeeindruckt an sich abperlen: Alle wahlstrategischen Fragen werde man dann beantworten, „wenn wir es  für richtig halten“.

Tatsächlich unterscheidet sich die Versuchsanordnung bei Grünen und SPD fundamental, um bei der Bundestagswahl in gut einem Jahr maximale Erfolge zu erzielen. Während die Genossen in der frühzeitigen personellen Festlegung eine Tugend sehen, soll bei den Grünen alles auf den letzten Drücker geschehen. Es gilt als sicher, dass Habeck und die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock die Spitzenkandidatur unter sich ausmachen werden. Voraussichtlich aber erst weit im nächsten Jahr, um die politische Konkurrenz so lange wie möglich im Unklaren zu lassen. Das hat auch mit der Frage zu tun, ob der grüne Spitzenkandidat Kanzlerkandidat sein soll. Derzeit würde wohl niemand daran Anstoß nehmen. In den Umfragen lag man in den letzten Monaten stets vor der SPD. Aber das kann sich auch wieder ändern. Eine grüne Kanzlerkandidatur wäre dann eher ein Lacher als Kracher.

Was eine mögliche Machtoption links von der Union angeht, so hatten sich die Grünen daran bereits in früheren Wahlen versucht. Beim grünen Wahlparteitag im Jahr 2013 etwa trat der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel sogar als Gastredner auf. Aber genutzt hat es nichts. Das erklärt auch, warum eine solche Konstellation für viele Grüne mittlerweile unrealistisch geworden ist und man eher den Schulterschluss mit den „Schwarzen“ sucht, um endlich wieder mitregieren zu können. Allein, der frisch gebackene SPD-Kanzlerkandidat könnte die schwarz-grünen Träume zum Platzen bringen. Denn als Vizekanzler unter Angela Merkel, die bekanntlich nicht mehr antritt, könnte Olaf Scholz Merkel-Wähler ansprechen, die ihr Kreuzchen ansonsten vielleicht bei den Grünen gemacht hätten.

Die Linken haben den SPD-Ball einer rot-rot-grünen Option indes dankbar aufgenommen. „Wir sind jetzt koalitionspolitisch im Geschäft“, zeigte sich ein führender Genosse zufrieden. Im Realo-Lager hält man die Kandidatur des eher „rechten“ Scholz sogar für eine glückliche Fügung. Aus Kalkül: Zum einen verliere Rot-Rot-Grün dadurch seinen Schrecken, und zum anderen lasse Scholz der Linken viel Platz, besonders bei der Sozialpolitik. Parteichefin Katja Kipping machte bereits Druck: „Wir werden uns inhaltlich mit der SPD nichts schenken“, kündigte sie am Dienstag an. Zur Scholz-Kandidatur äußerte sich Kipping zurückhaltender: „Er steht für Inhalte, gegen die wir hart protestiert haben.“ Aber sie gestehe auch ihm zu, sich inhaltlich neu zu orientieren.

Bei den ganz linken Linken ist Scholz dagegen jetzt schon politisch verbrannt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es nach der Bundestagswahl eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün geben wird, ist nach seiner Nominierung noch kleiner geworden, da er für genau den politischen Kurs steht, dem die SPD ihre 14 Prozent verdankt, kritisierte Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gegenüber unserer Redaktion. Dabei wüsste man auch von der Linken gern, wen sie als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ins Rennen schickt.