Volle Wartezimmer in Deutschland Mediziner warnen vor Grippewelle

Berlin · Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach vor allem vor Corona warnt und zu Vorsichtsmaßnahmen rät, blicken Ärzte in Krankenhäusern und Praxen mit Sorge auf die anstehende Grippewelle. Insbesondere wegen geringer Nachfrage nach Impfungen.

Vor allem Impfungen könnten die anstehende Grippewelle eindämmen, raten Mediziner.

Vor allem Impfungen könnten die anstehende Grippewelle eindämmen, raten Mediziner.

Foto: dpa/Marijan Murat

Angesichts der hohen Zahl an Atemwegsinfektionen in Deutschland rufen die Krankenhaus- und Ärzteverbände zu vermehrten Schutzimpfungen auf. Während Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zuletzt vor allem wieder vor Corona-Infektionen zur Weihnachtszeit warnte, blicken Mediziner wie Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), mit Sorge auf die bevorstehende Grippewelle, „die üblicherweise nach den Feiertagen beginnt“, sagte Gaß unserer Redaktion.

Lauterbach riet im ersten Winter seit der Pandemie, in dem keine allgemeinen Hygienemaßnahmen angeordnet sind, zur Vorsicht. Man solle „lieber noch mal Maske in Bus und Bahn tragen“, vor dem Fest „am besten auf große Feiern in Innenräumen verzichten“ und „wenn es geht, lieber im Homeoffice bleiben“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) kritisierte daraufhin die Warnungen als „nicht enden wollende Panikmache“. Die Menschen würden im Zweifel nicht Lauterbach um Rat fragen, sondern ihren Hausarzt, so Kubicki.

Die Hausärzte wiederum raten derzeit, allgemeine Vorsichtsmaßnahmen zum Infektionsschutz ernst zu nehmen. „Gerade unseren älteren und vorerkrankten Patientinnen und Patienten raten wir angesichts der sehr hohen Aktivität an Atemwegsinfekten vermehrt dazu, sich bestmöglich vor Ansteckungsrisiken zu schützen“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, unserer Redaktion. Maßnahmen seien etwa regelmäßiges Lüften oder das Tragen einer medizinischen Maske in überfüllten Räumen. „Eines unserer wirksamsten Mittel im Kampf gegen viele schwere Infektionserkrankungen sind immer noch die Impfungen“, betonte Beier. Derzeit stehe man vor einer sehr hohen Aktivität von Atemwegsinfekten, sagte Beier, die Praxen seien voll.

Ähnlich angespannt könnte die Lage in den Krankenhäusern werden. Bei Corona habe die Bevölkerung wegen durchlaufener Infektionen und Impfungen eine gute Grundimmunisierung, sagte DKG-Chef Gaß. Die meisten Infektionen könnten zu Hause auskuriert werden. Anders sehe es bei der Grippe aus. „2018 hat die Grippe 25.000 Todesopfer in Deutschland gefordert. Die Grippe ist keine harmlose Erkältung, sondern eine ernste Viruserkrankung“, warnte Gaß. Dazu komme ein hoher Krankenstand beim Krankenhauspersonal. „Die Krankenhäuser bemerken die vermehrten Atemwegserkrankungen besonders in Form von Personalausfällen“, sagte er. Einige Krankenhäuser würden daher bereits Kapazitäten abmelden. „Mit einer Impfung schützt man sich am besten vor Erkrankungen – und die Krankenhäuser vor Überlastung“, so der DKG-Chef.

(akir)
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