Geplatzter Besuch in Berlin: Rätselraten um Absage von Pompeo

Geplatzter Berlin-Besuch : Rätselraten um Pompeos Absage

Statt nach Berlin flog der US-Außenminister am Dienstag an ein unbekanntes Ziel.

US-Außenminister Mike Pompeo hat mit der völlig überraschenden Absage seines Deutschland-Besuchs großes Rätselraten ausgelöst. Klar war bis zum Dienstagnachmittag lediglich, dass er sich nach seinem Aufenthalt in Finnland kurzfristig für ein anderes Reiseziel als Berlin entschieden hatte – mutmaßlich ein Krisengebiet, in das Spitzenpolitiker wie Pompeo aus Sicherheitsgründen nur ohne Ankündigung reisen. Spekulationen gingen in Richtung Irak oder Afghanistan.

Es wurde auch für möglich gehalten, dass die Absage etwas mit dem Iran zu tun haben könnte. Am Mittwoch wird eine Rede des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani erwartet, die mit dem von den USA gekündigten Vertrag zur Verhinderung einer iranischen Atombombe zu tun haben soll. Aber mehr als Mutmaßungen gab es zunächst nicht. Das US-Außenministerium schwieg zu den neuen Reiseplänen.

Der Besuch Pompeos in Berlin war lange erwartet worden. Der 55-Jährige ist bereits seit mehr als einem Jahr im Amt. In dieser Zeit hat er zwar bereits mehr als 420 000 Flugkilometer zurückgelegt und 38 Länder besucht. Der wirtschaftsstärkste und bevölkerungsreichste europäische Partner war aber noch nicht dabei.

Aber am Dienstag sollte es dann endlich so weit sein. Als Erstes war ein Termin bei Heiko Maas im Auswärtigen Amt geplant. Später sollte der US-Außenminister auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen werden. Kurz nach 11 Uhr teilte die US-Botschaft aber mit: „Leider müssen wir die Treffen in Berlin wegen dringender Angelegenheiten neu terminieren.“

Mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen hat die Absage zwar offensichtlich nicht direkt etwas zu tun. Trotzdem passt sie in das ziemlich desolate Bild, das das Verhältnis derzeit abgibt. „Selbst wenn es sich um unabweisbare Gründe für die Absage handeln sollte, passt sie leider in das aktuelle Klima im Verhältnis der beiden Regierungen“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), dem Bonner „General-Anzeiger“ und der „Rheinischen Post“.

Der FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff äußerte sich deutlicher. Eine solche Absage sei „hochgradig
unüblich“, sagte er dem SWR. „Wenn er seinen Europabesuch jetzt in Grönland fortsetzt, hieße das, dass den Amerikanern zurzeit Grönland wichtiger ist als Deutschland.“