Gender Pay Gap verharrt bei 18 Prozent In den Berufen mit den niedrigsten Löhnen arbeiten zumeist Frauen

Exklusiv | Berlin · In drei der am niedrigsten entlohnten Berufe in Deutschland arbeiten zu drei Viertel Frauen. Dazu zählen der Lebensmitteleinzelhandel, die Floristik und Körperpflege-Berufe. Zugleich ist auch noch die Teilzeitquote besonders hoch. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bleibt so bestehen.

Eine Kassiererin scannt Heidelbeeren an der Kasse eines Supermarktes. (Archiv)

Eine Kassiererin scannt Heidelbeeren an der Kasse eines Supermarktes. (Archiv)

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Berufe mit geringen Löhnen werden oftmals von Frauen ausgeübt. So arbeiten in den drei der fünf Berufe mit der niedrigsten Entlohnung zu drei Viertel Frauen. Dies geht aus einer aktuellen Datenauswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Auftrag der Linken im Bundestag hervor. Demnach waren 2022 in den Berufen „Floristik“, „Körperpflege“ und „Verkauf von Lebensmitteln“ mehr als 75 Prozent der Beschäftigten weiblich. Gleichzeitig waren die mittleren Einkommen in diesen Berufen 1400 bis 1700 Euro geringer als das durchschnittliche Einkommen aller Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft. Zu den fünf am geringsten entlohnten Berufen gehören auch die Pferdewirtschaft und die Gastronomie. Auch hier liegt der Beschäftigungsanteil von Frauen über 50 Prozent.

Die geringe Entlohnung in den so genannten weiblichen Berufen und hohe Teilzeitquoten von Frauen auch gerade in diesen fünf Berufen sind Gründe dafür, dass Frauen im Durchschnitt weiter deutlich weniger verdienen als Männer. Wenige Tage vor dem Weltfrauentag am 8. März sieht die Bilanz bei der Annäherung der Gehaltsunterschiede auch deshalb weiter schlecht aus.

Der sogenannte Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen betrug 2023 laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 18 Prozent der Stundenverdienste. Frauen erhielten demnach mit durchschnittlich 20,84 Euro einen um 4,46 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer (25,30 Euro). Dieses geschlechtsspezifische Lohngefälle bestehe seit 2020 unverändert. Bereinigt durch die hohe Teilzeitquote von Frauen und anderen Sonderbedingungen bleibe immer noch ein Unterschied von sechs Prozent, so die Statistiker. „Ausgehend vom unbereinigten Gender Pay Gap lassen sich rund 64 Prozent der Verdienstlücke durch die für die Analyse zur Verfügung stehenden Merkmale erklären“, heißt es beim Bundesamt.

Bei den fünf Berufen mit dem höchsten mittleren Einkommen sind Frauen hingegen mit Anteilen von unter 50 Prozent in der Minderheit, wie aus den BA-Daten hervorgeht. In den Berufen „Fahrzugführung von Flugzeugen“ und „Geschäftsführung und Vorstand“, die mit einem Medianeinkommen von über 6.750 Euro zu den Top-Berufen zählen, sind gerade einmal 5,4 Prozent oder 18,9 Prozent der Beschäftigten Frauen. Auch der Beruf „Technische Forschung und Entwicklung“ weist unter den Top-Berufen mit 12,3 Prozent eine niedrige Frauenquote auf.

Große Ungleichheit zwischen den Geschlechtern gibt es auch bei den Anteilen von Voll- und Teilzeitbeschäftigten. So lag die Teilzeitquote in den fünf Berufen mit den meisten männlichen Beschäftigten im Jahr 2022 zwischen vier und elf Prozent. Die fünf Berufe mit den meisten weiblichen Beschäftigten wiesen hingegen Teilzeitquoten zwischen 40 und 80 Prozent auf.

„In typisch weiblichen Berufen fehlt noch immer nicht nur die Anerkennung, sondern auch eine gerechte Entlohnung für die wichtige und harte Arbeit der Beschäftigten. Die Ampel muss ihren gleichstellungsberechtigten Versprechungen endlich Taten folgen lässt“, sagte die Linken-Abgeordnete Susanne Ferschl. Das Entgelttransparenzgesetz habe an der ungerechten Lohnlücke nichts geändert. „Es ist Zeit, echte Ansprüche zu schaffen. Zusätzlich notwendig sind Maßnahmen zur Steigerung der Tarifbindung vor allem in von Frauen dominierten Berufen und ein Ausbau der Kita- und Pflegeinfrastruktur, um Frauen eine bessere Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“

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