1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Fußgänger-Lobbyist Volker Wieland im Interview: "Saarland ist Autoland"

Fußgänger-Lobby im Saarland : „Auf dem Land ist es üblich, auf dem Gehweg zu parken“

Seit anderthalb Jahren gibt es den Fußgänger-Lobbyverband Fuss auch im Saarland. Ansprechpartner ist Volker Wieland.

Herr Wieland, wie steht es um die Fußgänger im Saarland?

VOLKER WIELAND Das Saarland ist Autoland. Auf dem Land ist es üblich, auf dem Gehweg zu parken, und das ist fatal. Sie haben in Saarbrücken pro Tag 46 000 Fahrten unter zwei Kilometern. In der Landesregierung ist das Thema Fußgänger noch gar nicht angekommen, in den Ministerien schleppend. Das ist schon ein bisschen eine Frage der Mentalität.

Aber der Autofahrer muss ja irgendwie auch zu seinem Auto kommen...

WIELAND Ja, ganz genau. Aber wir werden immer bequemer... Und das, obwohl wir hier im Saarland auch ein großes Lärmproblem haben. Da sind wir schon sehr hinterwäldlerisch.

Gibt es hierzulande Ecken, die für Fußgänger besonders gefährlich sind?

WIELAND Da denke ich sofort an die Dudweilerstraße in Saarbrücken, auf der Höhe des Beethovenplatzes. Es gibt dort eine blindengerechte Querung, aber keinen Überweg. Und die Gehwege, die es gibt, sind häufig viel zu schmal.

Von wem erhalten Sie denn die meisten Beschwerden?

WIELAND Häufig von Eltern. Viele stört das hohe Verkehrsaufkommen morgens vor den Schulen.

Was empfehlen Sie?

WIELAND Wir ermutigen, die Kinder mit dem Fahrrad in die Schule zu bringen.

Ist das nicht ein frommer Wunsch?

WIELAND Es gibt durchaus Eltern, die den Autoverkehr von den Schulen fernhalten wollen. Man muss das in den Schulen thematisieren. Es ist ohnehin ausgewogener für ein Kind, sich vor dem Unterricht zu bewegen.

Was fordern Sie noch?

WIELAND Wir wollen, dass verkehrsberuhigte Bereiche vor Schulen zum Standard werden. Außerdem fordern wir für den Stadtbereich überall Tempo 30. Das wäre in Saarbrücken sehr einfach umzusetzen, man will es aber bisher nicht.