Ergebnisse der Shell-Studie: Die deutsche Jugend will mitentscheiden. Ihre größte Sorge gilt der Umwelt.

Ergebnisse der Shell-Studie : Die deutsche Jugend will mitentscheiden

Junge Leute zeigen hierzulande einerseits weltoffene, andererseits populistische Denkmuster, wie sich aus der jüngsten Shell-Studie ergibt. Die größte Sorge gilt der Umwelt.

Von wegen „null Bock“ oder bloß auf dem Handy daddeln – Deutschlands Jugend meldet sich vermehrt zu Wort und will mitentscheiden. Sie zeigt sich im wachsenden Maße mit der Demokratie zufrieden, ist aber auch anfällig für populistische Thesen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der 18. Shell- Jugendstudie, die am Dienstag in Berlin veröffentlich wurde.

Dass die junge Generation besser als ihr Ruf ist, war auch schon in früheren Ausgaben der Studie nachzulesen. Immerhin wird diese Expertise schon seit mehr als sechs Jahrzehnten regelmäßig erstellt. Die aktuellen Angaben basieren auf einer persönlichen Befragung von 2572 repräsentativ ausgewählten Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren.

Ein zentraler Befund: Das politische Interesse hat sich weiter stabilisiert. 41 Prozent der Jugendlichen zeigen sich mehr oder minder stark für politische Themen empfänglich. Das sind zwar etwas weniger als bei der letzten Erhebung vor vier Jahren, aber deutlich mehr als zu Beginn der 2000er Jahre. Das jugendliche Engagement werde inzwischen durch ein zunehmendes Umwelt- und Klimabewusstsein verstärkt, erklärte Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld. „Obwohl die Jugendlichen optimistisch in ihre persönliche und die gesellschaftliche Zukunft blicken, sehen sie doch, dass es Zeit ist zu handeln“, erläuterte der Experte. Wer sich schon immer politisch engagiert habe, der tue das jetzt noch intensiver.

So sehr sich junge Leute für Bewegungen wie „Fridays for Future“ begeistern (2015 war noch die Angst vor dem Terror größer als vor dem Klimawandel), so sehr sich eine große Mehrheit mit der Demokratie zufrieden zeigt (77 Prozent), so distanziert ist allerdings das Verhältnis der jungen Generation gegenüber Politikern. Satte 71 Prozent glauben nicht, dass sich „Politiker darum kümmern, was Leute wie ich denken“. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wertete das als Alarmzeichen. „Der Befund muss uns wachrütteln“, meinte sie mit Blick auf ihre eigene Zunft. Einerseits weltoffen, andererseits populistische Denkmuster. Das ist eine weitere zwiespältige Erkenntnis aus der Befragung. So finden es 57 Prozent der Jugendlichen gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Aber 68 Prozent stimmen der Aussage zu, dass man hierzulande nichts Schlechtes über Ausländer sagen dürfe, „ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden“. Eine mehrheitliche Zustimmung findet auch die Behauptung: „Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit“. Die Studienmacher erklären sich diese Einstellung mit dem schon erwähnten Empfinden, als Jugendliche nicht ernst genug genommen zu werden. Ministerin Giffey nannte es derweil paradox, dass es zwar ein großes Vertrauen in die Demokratie gebe, aber nicht in die Institutionen, die die Demokratie prägten.

Dagegen pflegen immerhin 92 Prozent der Jugendlichen ein positives Verhältnis zu den eigenen Eltern. 74 Prozent würden ihre Kinder genauso oder ähnlich erziehen, wie sie selbst daheim erzogen wurden. Möglicherweise erklärt sich daraus auch das überraschende Ergebnis, wonach die meisten mit Blick auf ihre eigene Zukunft ein traditionelles Familienbild favorisieren. 54 Prozent der 12- bis 25jährigen plädieren für ein „männliches Versorgermodell“, bei dem die Frau gar nicht, oder maximal halbtags arbeitet. Spätestens hier gibt es allerdings große West-Ost-Unterschiede. Während in den alten Ländern deutlich mehr als jeder Zweite für ein solches Modell plädiert, kann sich in den neuen Ländern nur gut jeder Dritte dafür begeistern.

Familienministerin Giffey will sich davon aber nicht beirren lassen. Sie arbeite weiter an dem Ziel einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, betonte die SPD-Politikerin. Zugleich regte sie an, das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre zu senken, um das Interesse junger Leute auch an der Arbeit der Parteien zu beleben. Eine Mehrheit im Bundestag ist dafür allerdings nicht in Sicht.