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„Emails dürfen nicht krankmachen“

„Emails dürfen nicht krankmachen“

Ständige Erreichbarkeit, immer mehr Emails - die Linke will mit einer „Anti-Stress-Verordnung“ Arbeitnehmer vor Belastungen am Arbeitsplatz schützen. Der zunehmende Stress mache immer mehr Menschen krank, so die arbeitspolitische Sprecherin der Fraktion, Jutta Krellmann, zu unserer Redaktion. Ein entsprechender Antrag wird im Mai im Bundestag beraten.



Frau Krellmann, eine Anti-Stress-Verordnung klingt gut. Aber was verbirgt sich dahinter?
Jutta Krellmann:
Es gibt Verordnungen zum Lärmschutz oder für die Arbeit an Bildschirmen. Mit Blick auf die psychische Belastung und den Stress am Arbeitsplatz aber nicht. Das wollen wir ändern.

Was schwebt ihnen denn konkret vor - handyfreie Zonen in Unternehmen?
Jutta Krellmann:
Wir wollen mit der Verordnung erreichen, dass Stressfaktoren und psychische Belastungen in einem Betrieb untersucht werden. Das kann das Handy sein, das kann die Arbeitszeit sein, die Personalbemessung oder die fehlende Möglichkeit, sich als Arbeitnehmer in einer Firma einzubringen.

Aber jeder Betrieb ist anders.
Jutta Krellmann:
Richtig. In Krankenhäusern gibt es andere Belastungen als in der Metallindustrie. Deswegen wollen wir die Faktoren auch nicht von oben festlegen, sondern das sollen Arbeitgeber und Betriebsrat schon selber machen. Mit der Verordnung wird nur vorgegeben, dass die Unternehmen untersuchen müssen, was Arbeitnehmer in ihrem Betrieb psychisch besonders belastet. Die Menschen dürfen durch Arbeit und Stress nicht krank werden.

Was ist denn aus ihrer Sicht besonders belastend?
Jutta Krellmann:
Das Thema ständige Erreichbarkeit ist für mich ein zentrales. Man hat immer mehr technische Hilfsmittel zur Verfügung. Je stärker man diese als Teil der Arbeit definiert, desto mehr muss man sich überlegen, wo man ansetzen muss, damit die Menschen durch diese Dinge nicht krank werden. Emails sind für mich auch ein gutes Beispiel. Die Flut von Emails, bei denen erwartet wird, dass man innerhalb einer halben Stunde antwortet, ist doch deutlich größer geworden. Wenn Unternehmen hier klare Regeln einziehen, wirkt das entlastend.

Welche Rolle spielt die Arbeitszeit?
Jutta Krellmann:
Eine große. Die Arbeitszeit wird immer weiter ausgeweitet. Es gibt Unternehmen, in denen Mehrarbeit wie selbstverständlich erwartet wird. Man muss ein Augenmerk auf Ruhezeiten legen. Denn die Anzahl der Menschen mit Burnout ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Fast in jedem Betrieb gibt es betroffene Arbeitnehmer. Die Anti-Stress-Verordnung soll deshalb helfen, dies zu verhindern.