Verschärfte Bedrohungslage Wie sich die Polizei auf die Europameisterschaft vorbereitet

Exklusiv | Berlin · Die Vorfreude auf die Fußball-EM ist das eine, Sorgen um die Sicherheit das andere. Für die Polizei sind die Anforderungen während des Großereignisses hoch. Polizeivertreter fordern angemessene Arbeitsbedingungen.

 Polizisten bei einer praktische Übung zur Fußball-Europameisterschaft in der MHP Arena Stuttgart. Die EM findet an zehn Austragungsorten statt.

Polizisten bei einer praktische Übung zur Fußball-Europameisterschaft in der MHP Arena Stuttgart. Die EM findet an zehn Austragungsorten statt.

Foto: dpa/Tom Weller

Gut zwei Wochen sind es noch, bis die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland beginnt. Die Vorfreude ist groß – aber auch die Sorgen aufrgund der verschärften Bedrohungslage. Dabei ist in Sicherheitskreisen von einer hohen abstrakten Gefährdung die Rede. „Konkrete Bedrohungshinweise liegen den Sicherheitsbehörden aktuell nicht vor, wir sind und bleiben aber äußerst wachsam“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) unserer Redaktion. „Wir wappnen uns mit hohem Einsatz aller Sicherheitsbehörden gegenüber allen Bedrohungslagen. Unser Fokus reicht von der Bedrohung durch islamistischen Terror, über Hooligans und andere Gewalttäter bis hin zu Cyberangriffen“, so Faeser. Die Sicherheitsbehörden würden sich „seit Jahren hochprofessionell“ auf die Fußball-EM vorbereiten.

Die deutschen Grenzen, Flughäfen, Bahnverkehr – all das werde die Bundespolizei schützen. „Dafür hat sich die Bundespolizei sehr umfassend vorbereitet und Szenarien trainiert – gemeinsam mit Landespolizeien, Feuerwehren, Rettungsdiensten und anderen wichtigen Akteuren“, sagte die Innenministerin. Die Bundespolizei verfüge durch viele Einsätze bei internationalen Fußballspielen und anderen Großereignissen über „große Erfahrung“, betonte Faeser. Neben den eigenen Kräften wird die Bundespolizei durch circa 350 ausländische Polizeibeamte aus allen Teilnehmernationen unterstützt, wie das Ministerium weiter mitteilte. Konkrete Zahlen zu den eigenen Einsatzkräften macht das Ministerium nicht öffentlich.

Für die Bundespolizei gilt während des gut vierwöchigen Turniers vom 14. Juni bis zum 14. Juli eine Urlaubssperre, um alle Einsatzkräfte zu bündeln. „Somit ist größtmögliche Verfügbarkeit aller garantiert“, sagte Andreas Roßkopf, bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) verantwortlich für die Bundespolizei, unserer Redaktion. Daneben sollen die Grenzen während der EM schärfer kontrolliert werden. Faeser hatte für die Zeit des Turniers Grenzkontrollen an allen deutschen Grenzen angekündigt. „Gewalttäter wollen wir rechtzeitig stoppen“, sagte Faeser zur Begründung. In der Praxis geht es dabei um verstärkte stichprobenartige Kontrollen, jedoch keine Schlagbäume an den Grenzübergängen.

Angesicht der großen Anforderungen an die Einsatzkräfte verlangen die Polizeigewerkschaft wie auch der neue Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch, angemessene Arbeitsbedingungen und modernere Ausstattung. „Wer solchen Belastungen ausgesetzt ist, muss angemessen untergebracht und verpflegt werden. Der Ausgleich der angefallenen Überstunden ist auch vor dem Hintergrund der gerade erst verlängerten Grenzkontrollen unerlässlich“, sagte Grötsch unserer Redaktion. Er sprach von einem „Sommer der Herausforderungen“ für die Sicherheitskräfte in Deutschland. „Viele Einsatzkräfte kommen gerade vom Einsatz an den Kontrollstellen an den deutschen Außengrenzen und machen nahtlos mit der Sicherung der Europameisterschaft weiter. Danach geht es gleich wieder zurück an die Grenze oder nach Paris zur Unterstützung bei der dortigen Olympiade“, so der SPD-Politiker.

Auch der GdP-Vorsitzende für die Bundespolizei, Roßkopf, forderte, dass in Sachen Unterbringung, aber auch bei den Einsatzbedingungen alles Mögliche und Notwendige getan werde. „Ich spreche hier von mobilen flexiblen Kontrollstellen, die seit 2019 angeschafft werden sollten. Leider ist das nicht passiert“, bemängelte Roßkopf. Er verlangte auch modernste Drohnentechnik, um etwa unwegsame Strecken an der Grenze oder entlang der Bahn überwachen zu können, eine stetige Erneuerung des Kfz-Fuhrparkes und die Anschaffung eines neuen modernen Polizeigewehres, „das seit Jahren überfällig ist“, so Roßkopf.

Der Polizeigewerkschafter kritisierte weiter, dass die Bundespolizei den Einsatz bei der EM ohne zusätzliche Haushaltsmittel ableisten müsse. „Das ist ein No-Go. Gerade in Zeiten der massiven Einschränkungen im laufenden Haushalt bedarf es hier dringend und unverzüglich ein Sondervermögen innere Sicherheit“, forderte Roßkopf. Insgesamt aber sei die Bundespolizei im Zusammenschluss mit den Sicherheitsbehörden der Länder gut vorbereitet und werde alles dafür tun, um eine „sichere, friedvolle und großartige EM“ zu ermöglichen, so Roßkopf weiter.

Um während des Großereignisses auf alle Situationen vorbereitet zu sein, hat sich die Bundespolizei in verschiedenen Übungsformaten vorbereitet. Trainiert werden etwa Szenarien wie Fanbegleitung, Fantrennung und der Umgang mit gewaltbereiten Hooligans, gerade rund um die An- und Abreise mit der Bahn, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Besonderes Augenmerk habe bei den Übungen auf dem Zusammenspiel mit den Länderpolizeien, anderen Behörden, Feuerwehr, Rettungsdiensten oder der Deutschen Bahn gelegen.

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