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„Die Menschen wollen gute Milch“

„Die Menschen wollen gute Milch“

Die Milchpreise sinken und sinken - droht wie im Jahr 2009 ein Aufstand der Bauern? Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) warnt davor, eine Milchkrise herbeizureden. Davon sei man noch weit entfernt, so der Minister im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Minister, der Milchpreis sinkt und sinkt - wie kann der Preisverfall gestoppt werden?
Christian Schmidt: Die aktuelle Marktlage stellt die Milcherzeuger vor Herausforderungen und ich sehe den Trend nach unten mit Sorge. Wesentlicher Hintergrund dafür sind die in Deutschland und Europa deutlich gestiegene Milchproduktion, das russische Importembargo und die Kaufzurückhaltung anderer Abnehmerländer. Vor diesem Hintergrund ist die Wirtschaft gefordert.

Inwiefern?
Christian Schmidt: Produktinnovationen und Markenbildung spielen eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung unterstützt diesen Prozess, indem sie intensiv daran arbeitet, bestehende Handelshemmnisse vor allem im Veterinärbereich abzubauen, um dadurch eine Verbesserung des Marktzugangs zu Drittstaaten zu erreichen. Der Milchwirtschaft stehen außerdem auch die übrigen Maßnahmen der Exportförderung meines Ministeriums zur Verfügung.

Nutzt der Preisverfall dem Verbraucher?
Christian Schmidt: Eine Preisspirale nach unten hilft niemandem, weder den Erzeugern noch den Konsumenten. Ich appelliere an die Verantwortung aller Beteiligten. Milch und Milcherzeugnisse sind ihren Preis wert. Die Menschen wollen unsere gute Milch aus Deutschland, deswegen müssen die Preise wirtschaftlich darstellbar sein.

Die Milchbauern drohen aber bereits mit Massenprotesten und mit einem Milchstreik aus Angst um ihre Existenz. Können Sie Hilfen zusagen?
Christian Schmidt: Die Europäische Kommission beobachtet den Markt sehr genau. Dann wird überlegt, ob die vorhandenen Instrumente zur Intervention eingesetzt werden. Wir sollten jetzt keine Milchkrise wie 2009 herbeireden. Davon sind wir weit entfernt. Und: Ein Milchstreik hilft niemandem und ändert die Marktlage nicht. Für die Absicherung der Betriebe wurde im Zuge der Agrarreform bereits viel getan. Vor allem die Direktzahlungen aber auch die Prämie für kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe sind für die Milchbauern von großer Bedeutung. Durchschnittlich erhält jeder Landwirt eine Prämie von rund 300 Euro pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Was kann der Verbraucher tun?
Christian Schmidt: Die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher ist entscheidend auch für die Erlöse und die Einkommen der Milcherzeuger. Die Erfüllung gesellschaftlicher Leistungen wie die Kulturlandschaftserhaltung auf Grünlandstandorten oder unsere hohen Tierwohlstandards sind nicht zum Nulltarif zu erhalten. Die Menschen wollen die hochwertige Milch aus Deutschland, diese muss dem Verbraucher aber auch ihren Preis wert sein.