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Die Linke kämpft mit der Fünf-Prozent-Hürde

Die Linke muss ihre Regierungsträume im Bund wohl begraben : Tiefrote Depression

Die Linke hofft auf eine Regierungsbeteiligung im Bund. Doch die Partei kämpft erst einmal mit dem Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde und ein auch mit einigen eigenen Fehlern

Jetzt ist es raus. Es wird knapp. Am Morgen noch war Dietmar Bartsch guter Dinge, als er an seinem Wohnort Prerow an der Ostsee seine Stimme abgab. 26 Tage, 42 Veranstaltungen und 5400 Kilometer Wahlkampftour liegen da hinter dem Linken-Spitzenkandidaten für diese Bundestagswahl. Janine Wissler, der andere Teil des Spitzenduos, hatte schon per Briefwahl an ihrem Wohnort Frankfurt/Main gewählt. Knapp eine Stunde nach Schließung der Wahllokale treten Bartsch und Wissler dann gemeinsam vor die Genossinnen und Genossen, die im Festsaal Kreuzberg auf einen Abend mit tiefrotem Ausrufezeichen gesetzt hatten. Vielleicht reicht es zumindest rechnerisch für eine rot-grün-rote Koalition im Bund, so die Hoffnung. Aber dann -- mit der Prognose Schlag 18 Uhr -- ist die Stimmung bei der Linken-Wahlparty stark gedrückt. Tiefrote Depression. Bei Werten um die fünf Prozent schwindet die Hoffnung, zu rot-grün-roten Sondierungsgesprächen eingeladen zu werden. Zwar haben Bartsch und Wissler im Hinterkopf: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat ein Bündnis unter Einschluss der Linken zumindest nicht ausgeschlossen. Doch für die Linke steht es Spitz auf Knopf. Partei-Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow spricht denn bereits um 18.19 Uhr von einem „schweren Schlag für uns“. Die Linke habe in den vergangenen Jahren „viele Fehler gemacht“, sonst stünde ihr Partei nicht da, wo sie jetzt stehe: an der Fünf-Prozent-Marke. Spitzenkandidat Bartsch sagt wenig später: „Fakt ist, dass wir im Osten nicht mehr die Interessenvertretung sind. Darüber müssen wir reden.“ Eine Hoffnung: Holt die Linke mindestens drei Direktmandate, schafft sie den Sprung in den Bundestag auf jeden Fall.