1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Die FDP-feiert glückselig ihren Wahlerfolg

FDP-Erfolg : Glückseligkeit bei den Liberalen

Die FDP feiert ihre Premiere: Erstmals zweimal hintereinander zweistellig - und das mit einem betont eigenständigen Wahlkampf. Den Kurs auf eine Koalition lässt Parteichef Christian Lindner noch offen.

Das gekühlte Pils schmeckt dem Ehrenvorsitzenden so gut wie selten ein Bier zuvor. Hermann-Otto Solms tritt zwar ab von der politischen Bühne, aber ihm gefällt über alle Maßen, dass es seiner Partei an diesem Wahlabend „so gut geht wie noch nie“. Tatsächlich haben es die Liberalen nie zuvor geschafft, zwei Mal hintereinander zweistellig zu werden. Und das lässt sich wenig später so laut und so lange jubeln, dass FDP-Chef Christian Lindner zunächst Mühe hat, der Menge im Hans-Dietrich-Genscher-Haus seine Kurz-Analyse mitzuteilen. Sie sind glückselig, alles andere soll später kommen.

Das Selbstbewusstsein zieht die FDP aus dem Wahlkampf. Zum zweiten Mal vermieden sie eine Koalitionsaussage, wollten nicht als Mehrheitsbeschafferin sondern um ihrer selbst willen gewählt werden. Und zum zweiten Mal landeten sie damit in der Zweistelligkeit. „Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine Regierungsbildung aus der Mitte heraus.“ Sprich: Die neue Koalition kann und soll um die FDP herum entstehen.

Und er verbindet dies sogleich mit einem Seitenhieb auf die CDU, ohne sie zu nenne. Aber jeder weiß sofort, wen er mit dem Hinweis meint, dass da jemand Wahlkampf gegen die FDP geführt habe, obwohl er der FDP eigentlich näher stehe. Wenig später greift das auch Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann in weiteren Interviews auf. Die Liberalen hätten sich „gewundert“ über Attacken aus der Union, die sich nicht aus dem Programm hätten ergeben können.

Und so ist denn auch der Jubel zu deuten, der im Atrium der FDP-Zentrale sogleich ausbricht, als Lindner verspricht, dass sich die FDP diese „Eigenständigkeit auch für die Zeit nach der Wahl erhalten“ werde. Diese FDP würde auch die Ampel mit SPD und Grünen machen, wenn sie ihre wichtigsten Programmpunkte von Steuerstopp und Schuldenbremse durchbringt und sich die entkräftete Union zerlegen sollte.

Und es gibt noch eine Andeutung: Lindner sucht verbal den Schulterschluss mit den Grünen. Während die bisherigen Partner der großen Koalition unterm Strich nichts hinzugewonnen hätten, seien die Zugewinne auch bei den Grünen bemerkenswert. Er deutet dies als Aufforderung der Wähler gegen ein Weiter so. Es sei Zeit für einen neuen Aufbruch, ruft er als letzte Botschaft seiner Als taktisch klügstes Vorgehen wird im Genscher-Haus ein umgekehrtes Sondieren angesehen: Wenn sich FDP und Grüne weder von der Union noch von der SPD gegeneinander in Stellung bringen ließen, sondern sich über die Grundzüge der inhaltlichen Ausrichtung einer neuen Regierung weitgehend einig wären und sich dann gemeinsam die SPD oder die Union als passenderen Partner aussuchen könnten.

„Liebe Parteifreundinnen, liebe Parteifreunde“ hat Lindner zu Beginn seiner Rede gesagt. Zu sehen ist das auf der Bühne kaum. Die FDP inszenierten den zentralen Feier-Auftritt mit acht Männern und zwei Frauen hinter dem Parteichef. Lediglich die beiden Parteivize Nicola Beer und Bettina Stark-Watzinger halten das Fähnchen der Frauen in der FDP hoch. Wie es in der künftigen Fraktion aussieht, ist um diese Zeit noch unklar. Aber nach der Listenaufstellung deutet vieles darauf hin, dass die Männerdominanz noch nicht gebrochen ist. Gleich an diesem Montag und damit vor den anderen konstituiert sich die neue FDP-Fraktion im Reichstagsgebäude. An einer Wiederwahl von Lindner zweifelt nach diesem Wahlerfolg keiner. Und daran, dass es nur auf Zeit ist. Bis er Minister ist.