Vor allem im Regionalverkehr Mehr als jedes zehnte Zugklo war defekt

Exklusiv | Berlin · Wenn die Zugtoilette nicht funktioniert, ist das für Bahnreisende ein pikantes Ärgernis. Fast jedes zehnte Klo im Regionalverkehr war letztes Jahr defekt, 1500 Beschwerden gingen bei der Bahn ein. Und der Fernverkehr kommt noch obendrauf.

Eine gesperrte Toilette. Das kommt in den Zügen der Bahn ziemlich oft vor.

Eine gesperrte Toilette. Das kommt in den Zügen der Bahn ziemlich oft vor.

Foto: dpa/Marco Krefting

Ärgernisse bei der Deutschen Bahn gibt es reichlich. Verspätete und ausgefallene Züge, nicht funktionierende Klimaanlagen, geschlossene Bordbistros. Und auch die Klos gehören dazu. Was besonders pikant ist.

Jeder Bahnreisende kennt das, dass die Zugtoiletten nicht funktionieren und sie deshalb verriegelt sind. Gerade bei langen Reisen ein Problem für Fahrgäste. Laut Bundesregierung kommt das aber in Regionalzügen deutlich häufiger vor als im Fernverkehr. Das belegen neueste Zahlen des Konzerns, die der Bahnbeauftragte der Regierung, Michael Theurer (FDP), jetzt auf Anfrage der Unionsfraktion preisgegeben hat. Sie liegen unserer Redaktion vor. So schlimm steht es um die Zugklos.

Die durchschnittliche Anzahl „an WC-Störungen in Zügen der DB Regio“ lag demnach im Jahr 2023 bei 12,5 Prozent. Also mehr als jedes zehnte Klo war zwischendurch defekt. Demgegenüber betrug der Anteil nicht benutzbarer Toiletten in den Zügen des Fernverkehrs 3,7 Prozent. „Die deutlich höhere Angabe bei der DB Regio resultiert aus dem anderen Erfassungssystem von Störungen“, schreibt Theurer. So würden nicht nur konkrete Defekte an der Toilette, sondern auch fehlende Entsorgung sowie reine Komforteinschränkungen wie zum Beispiel nicht nutzbare Spiegel erfasst.

Weiter heißt es in dem Papier, im Jahr 2023 habe es im Regionalverkehr rund 1500 Beschwerden und Meldungen bezüglich der Toiletten gegeben, im Fernverkehr waren es 300. „Aktuell fallen die meisten Toiletten aus betrieblichen Gründen aus, etwa weil sie verstopft sind“, ist in der Antwort auf die Anfrage zu lesen. „Technische Mängel sind nach Angaben der DB AG nur selten der Grund für einen Ausfall.“ So würden sich im Fernverkehr etwa „die kontinuierliche technische Weiterentwicklung der Toiletten“ und die betriebsnahe Behebung von Störungen an den Start- und Endbahnhöfen der Züge positiv auswirken. Außerdem sorgten neuere und modernere Züge dafür, „dass weniger technisch bedingte Störungen vorkommen“.

Der Fraktionsvize der Union, Ulrich Lange (CSU), kommt nun zu folgendem Schluss: „Nicht mal ihre Zugtoiletten hat die Deutsche Bahn im Griff.“ Das sei ein weiteres Beispiel dafür, „dass es beim Konzern weder im Großen noch im Kleinen läuft“, so der Verkehrsexperte zu unserer Redaktion. „Ausgefallene oder nur eingeschränkt nutzbare Toiletten nerven Reisende und können einem jede Zugfahrt vermiesen. Wenn jede zehnte Zugtoilette im Bahn-Regionalverkehr im letzten Jahr gestört gewesen sei, „ist das eindeutig zu viel“. Die Bahn-Kunden müssten sich darauf verlassen können, dass die sanitären Einrichtungen funktionierten. Lange weiter: „Die Bahn ist hier in der Pflicht und muss mehr für die volle Funktionsfähigkeit der Zug-Toiletten tun.“

(has)