Der "Foie-gras-Effekt" wird zur Gefahr für Start-ups

Kolumne Total Digital : Stopfen wie die Gänseleber

Immer mehr Geld fließt in Start-ups. Kritiker beobachten nun etwas, das sie den „Foie-gras-Effekt“ nennen.

Vor einiger Zeit brachte ein damaliger Freund Foie gras zum Essen mit. Ich wusste nicht, was das ist. Er erklärte, dass Gänse für Foie gras in kurzer Zeit so stark gemästet werden, das ihre Leber verfettet und auf ein mehrfaches der eigentlichen Größe aufbläht. Manche nennen es Delikatesse, ich Tierquälerei.

Zuletzt begegnete mir der Begriff wieder in der „New York Times“ als „Foie-gras-Effekt“ in der Start-up-Szene. Demnach scheitern viele Start-ups möglicherweise nicht an ihrer Idee, sondern daran, dass Investoren sie mit Geld und Druck zu stark aufblähen, bis sie platzen.

Das Ziel der Investoren ist klar: Ihr finanzieller Einsatz soll zu möglichst großem Gewinn führen. Dafür muss das Start-up zum Beispiel verkauft oder an die Börse gebracht werden, am Besten, nachdem es vorher zum Einhorn wurde.

Als Einhörner bezeichnet man nicht-börsennotierte Start-ups mit einem Firmenwert von mehr als einer Milliarde Dollar. Zuletzt gab es davon laut „CB Insights“ weltweit 308. Es sind in der Regel tolle Unternehmen.

Allerdings habe ich momentan oft das Gefühl, dass selbst weniger gute Ideen viel Geld bekommen – weil immer mehr Firmen meinen, in Start-ups investieren zu müssen; und weil gleichzeitig das Zinsniveau schon so lange niedrig ist, dass viele Investoren nicht wissen, wohin mit dem Geld.

Für Gründer ist es verlockend, viel Geld einzusammeln, weil es den unternehmerischen Gestaltungsspielraum erhöht und auch das Ego streichelt. Aber jeder sollte sich klar machen, dass nicht aus jeder Idee ein Weltkonzern wird. Mancher würde vielleicht besser als erfolgreicher Mittelständler fahren – auch wenn der Investor das anders sieht.

Nach der Erklärung, was Foie gras ist, habe ich auf den Verzehr lieber verzichtet. Für mich war das nichts.