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"Den Terroristen nicht auf den Leim gehen"

"Den Terroristen nicht auf den Leim gehen"

Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime über den Missbrauch des Glaubens durch die IS-Attentäter Der Anschlag hat mit dem Islam nichts zu tun, sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Unser Korrespondent Werner Kolhoff sprach mit dem 46-Jährigen.



Wie reagieren die Muslime in Deutschland auf die Ereignisse in Paris?
Aiman Mazyek:
Wir haben den Terroranschlag scharf verurteilt. Die Terroristen führen Krieg gegen die Menschlichkeit und die Freiheit und damit auch direkt gegen den Islam. Wir sind tief erschüttert und stehen solidarisch an der Seite Frankreichs.

Haben Sie den Eindruck, dass der Anschlag die Muslime in Deutschland stark aufwühlt?
Aiman Mazyek:
Ja, wenn ich sehe, was auf Facebook abgeht oder in den Mails. Leider gibt es aber auch Menschen, die die Ereignisse nutzen, um noch mehr Stimmung gegen Muslime zu machen.

Die Debatte hat sich auch schnell auf den Flüchtlingsstrom erstreckt. Wie sehen sie das?
Aiman Mazyek:
Wenn wir die Willkommenskultur, die wir in Deutschland gezeigt haben, jetzt einstampfen oder so von der Rolle reagieren wie die Polen, die überhaupt keine Flüchtlinge mehr reinlassen wollen, dann ist das genau das, was die Terroristen wollen. Sie wollen die Spaltung Europas und die Spaltung der Religionen. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir dürfen nicht mit der gleichen Sprache der Intoleranz antworten.

Der IS hat eine quasi religiöse Begründung in seinem Bekennerschreiben genannt. Wie bewerten Sie die?
Aiman Mazyek:
Die Terroristen versuchen Zwietracht zwischen den Religionen zu säen. Weder die Bürger noch die Medien oder die Politik sollten den Terroristen und ihrer pseudoreligiösen Begründung auf den Leim gehen und sie unkritisch übernehmen. Sie dürfen bei ihrer Vereinnahmung des Islam für ihre perfiden Ziele nicht auch noch nachträglich erfolgreich sein.

In Frankreich wird bereits die Forderung an die islamischen Gemeinden laut, sie sollten sich stärker von radikalen Strömungen distanzieren. Ist das nicht verständlich?
Aiman Mazyek:
Hier zitiere ich einmal den Chefredakteur der "Zeit", der gesagt hat, er könne verstehen, warum die Muslime über solche Forderungen fast beleidigt sind: Man kann sich nur von etwas distanzieren, wenn man vorher in der Nähe von etwas war. Diese Nähe hat es aber niemals gegeben und gibt es nicht. Deshalb treibt eine solche Forderung letztendlich auch die Spaltung der Religionen voran. Was wir aber unbedingt weiter machen müssen, ist, diese barbarischen Akte verurteilen und dagegen ankämpfen.

Wie kann man den IS besiegen?
Aiman Mazyek:
Indem wir die regionalen Mächte im Nahen Osten wieder an den Verhandlungstisch zurückbringen. Indem wir keine Waffen mehr dorthin liefern. Indem wir noch klarer deutlich machen, dass das Abschlachten von Menschen, egal welcher Religion, ein Tabu ist. Indem wir als Muslime in Deutschland und Europa deutlich machen, das wir gleichermaßen weinen um die Opfer in Paris wie um die Opfer bei den IS-Selbstmordanschlägen vor drei Tagen in Beirut oder seit drei Jahren in Aleppo.