Noch in diesem Jahr Lindner dringt auf Anreize für längere Erwerbstätigkeit von Rentnern

Exklusiv | Berlin · Rentner sollen länger arbeiten, um den Fachkräftemangel abzumildern. Nun macht der Bundesfinanzminister dazu konkrete Vorschläge – und drückt aufs Tempo.

 Christian Lindner (FDP), Bundesminister der Finanzen. (Archiv)

Christian Lindner (FDP), Bundesminister der Finanzen. (Archiv)

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat sich dafür ausgesprochen, noch in diesem Jahr Anreize zu schaffen, damit Menschen länger im Beruf bleiben. Zugleich dämpfte er Erwartungen, in der laufenden Legislatur Mechanismen gegen den Beitragsanstieg umzusetzen. „Das Rentenpaket II wird kommen, aber das wird nicht das Ende der Reformen bei der Rente sein“, sagte Lindner unserer Redaktion. „Wir müssen den Beitragsanstieg in den kommenden Jahren bis Ende der 2030er Jahre dämpfen. Allerdings ist zu befürchten, dass das in dieser Wahlperiode des Bundestages dazu noch Erreichbare begrenzt ist“, so der Bundesfinanzminister.

Mit Blick auf die Debatte über eine längere Erwerbstätigkeit von Menschen neben der Rente forderte Lindner eine rasche Umsetzung: „Denkbar sind aber Anreize, dass Menschen länger im Beruf bleiben. Damit könnten wir dieses Jahr beginnen.“ Der FDP-Politiker brachte konkrete Vorschläge ins Gespräch. „Beispielsweise könnte man Rentnerinnen und Rentnern, die weiter arbeiten, den Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung sofort unbürokratisch als zusätzliches Netto auszahlen“, sagte Lindner.

Zuletzt war bekannt geworden, dass im vergangenen Jahr mehr Menschen die vorgezogene, abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch genommen haben als noch 2022. Die Zahl derer, die im vergangenen Jahr die Rente mit 63 genutzt haben, lag demnach bei 279.000 Menschen, wie unsere Redaktion unter Berufung auf Daten der Deutschen Rentenversicherung berichtet hatte. Im Vorjahr waren es demnach 17.000 Menschen weniger: 2022 habe die Zahl noch bei 262.000 Versicherten gelegen. Gleichzeitig nahm auch die Zahl älterer Arbeitnehmer zu, die für einen vorzeitigen Rentenbeginn Abschläge in Kauf nahmen. 2023 gingen demnach 243.862 Menschen vorzeitig mit Abschlägen in Rente, im Jahr zuvor waren es mit 223.580 noch rund 20.000 weniger. Eine höhere Erwerbstätigkeit von Rentnern gilt als ein Schlüsselfaktor im Kampf gegen den Fachkräftemangel.