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CDU wählt Vorsitzenden: So bewerten Politikforscher die Chancen der Kandidaten

Wal des CDU-Vorsitzenden : Das sagen Politikforscher über die Chancen der Kandidaten

Wer hat die besten Chancen, neuer CDU-Chef zu werden? Und was bedeutet das für die Kanzlerkandidatur der Union? Unter Politologen gibt es dazu teilweise verschiedene Meinungen. Wir haben drei promiente Vertreter gefragt.

Jürgen Falter, Politikwissenschaftler an der Uni Mainz: Die besten Chancen für den CDU-Vorsitz hat Armin Laschet, weil er in der Partei wenig umstritten ist und als nordrhein-westfälischer CDU-Vorsitzender den stärksten Stimmblock hinter sich hat. Man muss dabei berücksichtigen: Es wählen nicht die CDU-Anhänger und auch nicht die einfachen CDU-Mitglieder, sondern gut 1000 Parteitagsdelegierte. Und die sind fast alle Berufspolitiker oder in politiknahen Ämtern. Unter ihnen herrscht eine andere Wahrnehmung. Friedrich Merz mag an der Parteibasis beliebt sein, aber nicht bei den Berufs-CDUlern, weil er als wenig berechenbar gilt. Norbert Röttgen ist ein Mann des Ausgleichs, der die Partei zusammenhalten könnte und nicht zu Effekthascherei neigt, aber ihm fehlen die Truppen. Wird Laschet gewählt, wird er auch die Kanzlerkandidatur beanspruchen. Das hat er schon öfter klar gemacht.

Oskar Niedermayer, Parteienforscher an der Freien Universität Berlin: Für Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur sind zwei Anforderungen zentral: Zum einen muss die Person möglichst schnell die in Merkelianer und Merkelkritiker gespaltene Partei wieder einen. Zum anderen muss sie möglichst viele Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen, um damit der Union zu einem guten Wahlergebnis zu verhelfen. Das Problem der CDU ist, dass keiner der drei Kandidaten für den Parteivorsitz die beiden Kriterien gleichzeitig erfüllt. Laschet und Merz sind die Exponenten der beiden Lager und werden ihre innerparteilichen Gegner schwer überzeugen können. Am ehesten könnte noch der keinem der Lager zugerechnete Röttgen diese Aufgabe meistern. Beim Wählerzuspruch liegen alle drei mit großem Abstand hinter Söder, der damit die größten Chancen hätte, für ein gutes Abschneiden der Union zu sorgen. Da Röttgen der einzige ist, der ganz klar gemacht hat, dass er auf eine Kanzlerkandidatur verzichten würde, wäre somit ein Gespann Röttgen/Söder optimal.

Oskar Niedermayer Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Albrecht von Lucke  Foto: picture alliance / Eventpress/Eventpress MP

Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler bei den „Blättern für deutsche und internationale Politik“: Alle drei Aspiranten für den Vorsitz sind laut Umfragen nicht die stärksten für die Kanzlerschaft, weshalb es keinen Automatismus gibt. Nur derjenige wird Chancen auf den Parteivorsitz haben, der als CDU-Chef auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten bereit ist. Im Falle von Friedrich Merz spricht am wenigsten dafür. Und ein Zweites spricht gegen Merz: dass er zu sehr polarisiert und damit nicht die unter Merkel gewonnene breite Mitte bindet. Wählen die Delegierten strategisch vernünftig, müsste Armin Laschet CDU-Chef werden. Alles andere würde der Union schaden.