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CDU von Ministerpräsident Kretschmer behauptet sich in Sachsen vor AfD

CDU kann sich als stärkste Kraft vor AfD behaupten : Kretschmers neuer Politikstil scheint bei Sachsen anzukommen

) Er hat einen buchstäblichen Marathon hinter sich: Seit Monaten hetzt Michael Kretschmer kreuz und quer durchs Land, klappert Vereinsfeste ab, stellt sich Diskussionen mit teils wütenden Menschen. Sachsens Ministerpräsident gibt sich als Kümmerer.

Schließlich versprach der CDU-Politiker bei seinem Amtsantritt Ende 2017 einen neuen Politikstil, er wollte den Menschen wieder mehr zuhören. Das löste er ein. Bei der Landtagswahl am Sonntag hat sich sein Einsatz offensichtlich ausgezahlt. Zwar hat seine Koalition mit der SPD nach ersten Prognosen ihre Mehrheit verloren, Aber die CDU konnte sich am Ende von der AfD absetzen und landete mit 32,5 Prozent der Stimmen klar vor den Rechtspopulisten, die auf 27,8 Prozent kamen.

Mit einer starken AfD im Nacken versuchte der CDU-Spitzenkandidat im Wahlkampf, für die Landesregierung und seine Partei über Jahre verlorenes Vertrauen bei den Sachsen zurückzuholen. Er wollte weg von der Überheblichkeit der CDU vor allem gegenüber den Menschen auf dem Land und bereiste unermüdlich den Freistaat. Diese Rechnung scheint nun aufgegangen zu sein.

Doch auch wenn Kretschmer die Staatskanzlei verteidigen kann – das Regieren wird künftig auf jeden Fall schwieriger. Es könnte für eine Dreierkoalition mit SPD und Grünen reichen. Klar ist lediglich: Ein Bündnis mit der AfD oder den Linken schließt Kretschmer aus. Auch für eine denkbare Minderheitsregierung steht er nicht zur Verfügung.

Der 44-Jährige übernahm den Regierungssessel im Dezember 2017 in einer Krise, nachdem sein Vorgänger Stanislaw Tillich (CDU) wegen des Wahldesasters bei der Bundestagswahl zurückgetreten war. Die CDU im Freistaat war zuvor mit knappem Abstand nur zweitstärkste Partei hinter der AfD geworden.

Für Kretschmer selbst war die Bundestagswahl eine „persönliche Zäsur“, wie er später sagte, als er seinen eigenen Wahlkreis in Görlitz an einen AfD-Kandidaten verlor. Nach 15 Jahren flog der CDU-Politiker aus dem Bundestag, wo er zuletzt immerhin Vizechef der Unionsfraktion gewesen war.

Seine politischen Wurzeln liegen im Wendeherbst 1989. Im Jahr 1994 wurde Kretschmer Stadtrat in seiner Heimatstadt Görlitz. Der ausgebildete Büroinformationselektroniker erwarb auf dem zweiten Bildungsweg seine Fachhochschulreife und studierte in Dresden Wirtschaftsingenieurwesen. 2002 zog er in den Bundestag ein, wo der Vater von zwei Söhnen bis 2017 eine recht glatte politische Karriere hinlegte.

Seiner größten politischen Niederlage folgte seine größte Chance. Als Ministerpräsident leitete er einen Generationswechsel in der Sachsen-CDU ein und setzte auf einen anderen Politikstil als seine Vorgänger. Zudem packte er heiße Eisen an wie den Personalausbau bei Polizei und Lehrerschaft und verteilte großzügig Fördermittel an ländliche Gemeinden.

So unkonventionell Kretschmers Familienleben ist, der mit seiner Lebensgefährtin in einer Patchworkfamilie lebt, so beständig ist er auf der anderen Seite in seinen politischen Ansichten. Die Union im Freistaat hält er weiter auf konservativem Kurs. Die Grünen – immerhin ein potenzieller Koalitionspartner – maßregelt er im Wahlkampf als „Verbotspartei“. Die Partnerfindung wird das nach dem Wahltag nicht erleichtern.