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Bosbach sieht Söder als Hoffnungsträger der Union

Interview Wolfgang Bosbach : „Bei Markus Söder ist es ähnlich wie bei Jürgen Klopp“

Der CDU-Mann erklärt, warum er den CSU-Chef gern als Kanzler sähe, wo es eine Parallele zum Liverpool-Coach gibt – und sich Merz keinen Gefallen getan hat.

  Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Berliner Politik wird CDU-Mann Wolfgang Bosbach gehört. In Nordrhein-Westfalen leitete er kürzlich eine Regierungskommission zur Inneren Sicherheit. Er engagiert sich zudem im „Berliner Kreis“, dem konservativen Netzwerk von Unionspolitikern. Ein Gespräch mit dem 68-Jährigen über Friedrich Merz und neue Hoffnungsträger.

Herr Bosbach, hat Friedrich Merz sich mit seinem Angebot, das Wirtschaftsministerium zu übernehmen, ins Aus geschossen?

BOSBACH Gute Frage. Ich hoffe nicht. Selbst hartnäckige Merz-Skeptiker bestreiten ja nicht seine hohe finanz- und wirtschaftspolitische Kompetenz, mit der er dem Land und der Union wirklich dienen könnte. Aber ehrlich gesagt habe auch ich die Wirtschaftsminister-aber-bitte-sofort-Nummer nicht verstanden und glaube auch nicht, dass er sich damit einen Gefallen getan hat.

Selbst der Wirtschaftsflügel rückt jetzt von Merz ab. Wer könnte dort seine Rolle einnehmen?

BOSBACH Das mag für einzelne Stimmen gelten, aber sicher nicht für die Wirtschaftspolitiker der Union insgesamt. Wir haben für dieses Politikfeld ja nicht nur Friedrich Merz, auch andere gute Leute. Carsten Linnemann, der Chef der MIT, ist dafür ein gutes Beispiel. Kompetent, eloquent und menschlich ein ganz feiner Kerl.

Trotzdem: Warum tun sich die jungen Wirtschaftspolitiker in der Union so schwer, sich zu profilieren?

BOSBACH In der Frage steckt eine Behauptung, die ich nur teilweise für richtig halte. Die Union stellt mit Peter Altmaier den Wirtschaftsminister, dann ist es doch klar, dass er in diesem Bereich, auch in der Wahrnehmung nach außen, die Nummer Eins der Union ist. Carsten Linnemann hat deutlich an Profil gewonnen und auch Christian von Stetten ist als Vorsitzender des starken Parlamentskreises Mittelstand ein politisches Schwergewicht. Jedenfalls innerhalb der Union.

Wäre CSU-Chef Markus Söder ihr Hoffnungsträger?

BOSBACH Ja. Und das nicht nur in Bayern. Mich persönlich interessiert nicht so sehr, wer alles Kanzlerkandidat von CDU und CSU werden möchte, mich interessiert eher die Frage: Mit wem hat die Union die besten Chancen, die Bundestagswahl 2021 zu gewinnen? Stand heute wäre meine Antwort: Markus Söder. Diese Debatte macht aber wenig Sinn, wenn er bei seiner Haltung „Mein Platz ist und bleibt in Bayern!“ bleibt. Das ist so ähnlich wie beim Thema Fußball-Bundestrainer: Viele wünschen sich Jürgen Klopp. Der kann oder will aber nicht, weil er Liverpool treu bleiben möchte. Jedenfalls im Moment.

Wie kann Armin Laschet die Konservativen in der CDU einbinden?

BOSBACH Wenn ich die Formulierung „einbinden“ höre, muss ich immer schmunzeln. Viele verstehen darunter eher „anbinden“. Mich persönlich muss man weder ein- noch anbinden. Wenn meine Erfahrung und Kompetenz gefragt sind, dann stehe ich gerne zur Verfügung. Wenn nicht, auch okay, dann ziehe ich mich nicht in den Schmollwinkel zurück.

Das klingt irgendwie nach „Weiter so“ mit Laschet.

BOSBACH Weiter bitte mit einem klaren politischen Profil, das uns erkennbar von der politischen Konkurrenz unterscheidet. Und bitte kein Koalitions-, sondern ein Unions-Wahlprogramm. In einer Koalition muss man Kompromisse machen, dem politischen Partner entgegenkommen. In einem Wahlprogramm nicht.