Bertelsmann Studie: So bedrohlich erscheint den Deutschen der Islam

Bertelsmann Studie : So bedrohlich erscheint der Islam

Eine Studie offenbart starke Vorbehalte gegen die Religion, die viele Deutsche eher als Ideologie wahrnehmen.

Vorbehalte gegen den Islam sind hartnäckig und weit verbreitet. Vor allem dort, wo fast keine Muslime leben – nämlich in Ostdeutschland. Doch auch anderorts gibt es Ressentiments: Im Westen des Landes nimmt jeder Zweite den Islam als Bedrohung wahr, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung auf Basis des repräsentativen „Religionsmonitors“ hervorgeht – im Osten sind es 57 Prozent. Diese Wahrnehmung sei „relativ stabil verwurzelt“. In Ostdeutschland wollen 30 Prozent und im Westen 16 Prozent keine Muslime als Nachbarn.

Mit Globalisierung und Zuwanderung habe auch die religiöse Pluralität zugenommen, heißt es in der Untersuchung. Diese Vielfalt bereichere die Gesellschaft, meint jeder zweite Befragte. Die Sicht auf Christentum, Buddhismus, Judentum und Hinduismus fällt hier mehrheitlich positiv aus. Aber: Beim Islam sagt nur ein Drittel, dass er bereichernd sei.

Die Zahl der Muslime in Deutschland wird auf knapp fünf Millionen geschätzt. Vorbehalte gegen den Islam seien allerdings nicht mit Islamfeindlichkeit gleichzusetzen, erläutert Religionsexpertin Yasemin El-Menouar. Als islamfeindlich einzustufen seien 13 Prozent der Befragten, die sich aktuell dafür aussprechen, die Zuwanderung von Muslimen zu stoppen – 20 Prozent in Ost- und 11 Prozent in Westdeutschland. Immerhin hätten das aber 2017 noch 20 Prozent befürwortet. Islamfeindliche Gesinnte lehnen häufig auch andere Minderheiten ab, wie die Analyse zeigt.

Woher kommt die breite Skepsis gegenüber dem Islam? „Offenbar sehen viele Menschen den Islam weniger als Religion, sondern vor allem als politische Ideologie“, meint El-Menouar. Zudem werde der Islam in der Öffentlichkeit meistens in negativem Zusammenhang thematisiert. Studienautor Gert Pickel sieht mehrere Gründe. Berichte über islamistischen Terror und Sorge vor Anschlägen machten einiges aus, sagt er. Auf viele wirke der Islam kulturell fremd.

Das Gefühl der Bedrohung – im Osten wiederum etwas häufiger geäußert als im Westen – gehe quer durch alle Bevölkerungsschichten, schildert der Religionssoziologe. Solche abgrenzenden, ablehnenden Haltungen könnten gefährlich werden: „Wenn eine signifikante Gruppe innerhalb der Bevölkerung eine andere, kleinere Gruppe als Bedrohung ansieht, schadet das auf Dauer der Demokratie.“ Rechtspopulisten lebten geradezu davon, den Islam als Gefahr darzustellen. Auch die AfD positioniere sich gegen den Islam, vertrete eine Ausgrenzung von Muslimen und eine Anti-Migrationspolitik.

Religiöse Toleranz sei für ein gutes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte eine entscheidende Voraussetzung, betont die Studie. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind demnach als tolerant anzusehen, da sie anderen Religionen ebenfalls einen Wahrheitsgehalt zusprechen.

Islam-Verbände beklagen immer wieder Ausgrenzung, Benachteiligung, Beleidigung und auch Angriffe gegen Moscheen und Muslime. Das Sicherheitsgefühl in vielen Moscheegemeinden sei „empfindlich gestört“, berichtete die Islam-Organisation Ditib gerade erst nach einer Bombendrohung am Dienstag in Köln gegen den bundesweit größten Moschee-Komplex.

Die Bertelsmann-Analyse richtet den Blick aber auch auf die Akzeptanz der demokratischen Werte und Prinzipien: Diese ist bei den Angehörigen der verschiedenen Religionen breit – unabhängig von Judentum, Christentum oder Islam. Die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung – über alle Religionen hinweg – bewertet die Demokratie als eine gute Regierungsform.

Wahrnehmung_des_Islam_in_Deutschland. Foto: SZ/Steffen, Michael

Und wie lässt sich nun den hartnäckigen Islam-Vorbehalten entgegenwirken? Die Bertelsmann Stiftung rät zu frühem Austausch und Begegnung schon in Kita und Schule. Denn der „Religionsmonitor“ belege auch, dass Menschen, die regelmäßig Kontakt zu Angehörigen anderer Religionen haben, weniger skeptisch auch gegenüber dem Islam sind.

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