Berliner Notizen: Von Liebe und Gefühlen

Berliner Notizen : Von Liebe und Gefühlen

In der internationalen Politik ist inzwischen alles möglich. Auch, dass Briefe ohne Unterschrift verschickt werden. So verfuhr der britische Premierminister Boris Johnson, als er bei der Europäischen Union eine Verschiebung des Brexits beantragte.

Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel genauso vorgehen würde bei offiziellen Schreiben? Darauf antwortete Regierungssprecher Steffen Seibert in dieser Woche: „Es erschiene mir ungewöhnlich.“ Selbst ein „am“ kommt da wohl nicht in Frage. Das steht meist unter den SMS der Kanzlerin.

Mit den Gefühlen ist das so eine Sache. Finanzminister Olaf Scholz meinte zum Bespiel am Freitag im Bundestag mit Blick auf das Klimapaket: „Das wird eine Liebe auf den zweiten Blick.“ Ein schöner Traum des Ministers. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer hat es hingegen nicht so mit den Emotionen. Er wollte sich lieber zurückhalten: „Das mit dem Gefühl, sagt meine Frau, ist bei mir nämlich immer ein bisschen schwierig.“

Jan Böhmermann ist ja in die SPD eingetreten, um Vorsitzender zu werden. Hat aber nicht geklappt. Jetzt wurde der Satiriker von FDP-Chef Christian Lindner bei Twitter geblockt, offenbar wegen eines Streits um Lindners verhinderter Uni-Rede. Das sorgte im Bundestag für (satirische?) Empörung. SPD-Frau Saskia Esken rief: „Heben Sie diesen Block wieder auf, gewähren sie meinem Genossen Jan Böhmermann Meinungsfreiheit. Also ehrlich.“ Neu-Sozialdemokrat Böhmermann wird sich amüsiert haben.

Das ist ja mal eine Erkenntnis. In dieser Woche scheiterte die AfD wieder damit, einen der Ihren zum Vizepräsidenten des Bundestages wählen zu lassen. Die anderen wollen eben nicht mitmachen. AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann kommentiert das verzweifelt: „Wir könnten doch Barack Obama, Greta Thunberg oder den Dalai Lama aufstellen. Sie würden sie nicht wählen.“ Vermutlich stimmt das sogar. Keiner der Genannten würde freilich wollen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung