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BBK-Chef Armin Schuster warnt vor dritter Corona-Welle

BBK-Chef Armin Schuster : „Wir sollten die Gefahr einer dritten Welle nicht unterschätzen“

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mahnt zur Disziplin, auch wenn viele Menschen geimpft sind.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, warnt vor Panikmache wegen Corona-Triagen, schließt aber eine weitere Infektionswelle nicht aus.

Herr Schuster, Markus Söder hat gesagt, diese Pandemie falle in die Kategorie „Katastrophe“. Welche Lehren ziehen Sie aus der Pandemie?

ARMIN SCHUSTER Wir alle müssen gerade lernen, damit umzugehen, von diesem Virus permanent aufs Neue überrascht zu werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe soll dabei helfen, die Menschen vor solchen Überraschungen bestmöglich zu schützen, etwa durch unser Krisenmanagement, die Risikoanalysen, Pläne und Leitfäden. 2012 hat das BBK mit dem RKI schon einmal beispielhaft eine Pandemie durchgespielt, die sich im vergangenen Jahr dann relativ nah an dem damals angenommenen Szenario entwickelt hat. Das zeigt, wie extrem wertvoll es ist, wenn Deutschland über eine Behörde verfügt, die mögliche Krisen oder Klimafolgen wie Hitzesommer, Dürren, Hochwasser oder große Waldbrände und deren Folgeerscheinungen wie Stromausfälle oder andere Störungen Kritischer Infrastrukturen vordenkt und vorbereitet. Dazu gehört natürlich auch der Verteidigungsfall.

Warum dauert es mit dem Impfen so lange?

SCHUSTER Ein Impfzentrum zu betreiben, das ist wirklich kompliziert. Ich habe es mir in der vergangenen Woche in Berlin an der Messe selbst angesehen. Damit der Impfstoff in den Oberarm eines Patienten gespritzt werden kann, braucht es eine sehr lange funktionierende Logistikkette, und da darf nichts schiefgehen. Der Impfstoff muss richtig gelagert, transportiert und just-in-time dem Arzt zur Verfügung stehen, in der Hoffnung, der Impfpatient erscheint auch tatsächlich zum gebuchten Termin. Die Hilfsorganisationen haben das BBK aktuell gebeten, schnellstmöglich ein Forum zu bieten, in dem man eigene Praktiken und Probleme bundesweit austauscht. Wir haben diesen Erfahrungsaustausch in dieser Woche zusammen mit der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen virtuell durchgeführt und die Teilnehmenden haben ihre besten Praktiken aus ganz Deutschland von Berlin bis Garmisch-Partenkirchen, von Halle bis Kiel vorgestellt und diskutiert.

Noch halten Krankenhäuser und Intensivstationen dem Ansturm stand. Befürchten Sie eine Triage, also die bewusste Auswahl von Patienten, wer an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird und wer nicht mehr?

SCHUSTER Definitiv nein. Wir sollten alles im Kampf gegen die Pandemie tun, nur eines nicht: kopflos werden. Es gibt entgegen manchen Medienberichten keine Triagen in einem deutschen Krankenhaus. Wir haben hier im BBK einen Überblick, ob in einem Krankenhaus in Deutschland triagiert wird oder nicht. Wir bekommen täglich den aktuellen Stand über die freien Kapazitäten an Intensivbetten und Beatmungsgeräten bundesweit. Und ich versichere Ihnen: Es wird nicht triagiert. Und wenn wir die erweiterten Aha-Regeln beherzigen, wird das auch weiter nicht notwendig sein.

Wann werden wir wieder weitgehend Normalität von dieser Pandemie haben?

SCHUSTER Nächstes Jahr. Vorher sehe ich das nicht. Vielleicht ist es im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres geschafft, dass alle geimpft sind, die das wollen. Aber wir sollten die Gefahr einer dritten Welle nicht unterschätzen. Selbst wenn wir sehr gut impfen, könnte daraus zu früh ein gewisser Leichtsinn entstehen. In unserer Risikoanalyse haben wir im BBK jedenfalls mit der Möglichkeit einer echten dritten Welle und nicht nur einer verstärkten zweiten Welle gerechnet. Es braucht also unabhängig vom Impferfolg weiterhin Disziplin und Vertrauen.