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„Attacke, Attacke“: Klimaaktivisten machen Flughafen Stuttgart unsicher

Fridays for Future : Klima-Protest am Stuttgarter Flughafen

„Fliegen ist kacke“: Eine Fridays-for-Future-Gruppe demonstriert erstmals an einem Flughafen – unter anderem für eine Kerosinsteuer.

Freitagmittag, Flughafen Stuttgart, Terminal 1: Es herrscht Hochbetrieb. Tausende Reisende starten in die baden-württembergischen Sommerferien. Plötzlich beginnt der Lärm. Sprechchöre schallen von oben herunter in die riesige Halle. „30 Euro, Stuttgart-Berlin – wo bleibt die Steuer auf Kerosin?!“, rufen die Klimaaktivisten. Sie schreien, pfeifen, trommeln, klatschen. Die Fluggäste blicken nach oben, manche interessiert, andere verwirrt.

Mehrere Hundert Klima-Aktivisten demonstrieren am Freitag am Stuttgarter Flughafen gegen umweltschädliches Fliegen. Bei der Protestveranstaltung am letzten Schultag vor den Sommerferien in Baden-Württemberg handelt es sich nach Angaben der Veranstalter um die erste Demonstration von Fridays for Future an einem deutschen Flughafen überhaupt. Laut Veranstalter beteiligen sich rund 350 Personen.

Die Aktivisten hängen Plakate und Transparente auf, skandieren Sprüche wie „Attacke, Attacke – Fliegen ist kacke“ oder „Runter mit den Bahnpreisen – hoch Kerosinsteuer“. Weitere regionale Klima- und Umweltgruppen beteiligen sich an dem außergewöhnlichen Protest.

Schüler der Bewegung demonstrierten am Freitag auch vor der Verwaltungszentrale des Braunkohleunternehmens Leag in Cottbus.

Der Klimaschutz ist derzeit das politische Thema schlechthin, die Grünen sind im Höhenflug, auch das Phänomen der Flugscham ist in aller Munde. Beginn einer neuen Protestwelle an deutschen Flughäfen? „Es ist wichtig, dass wir auch an andere Orte gehen“, sagt der 21-jährige Demo-Organisator Elias Zand-Akbari von der Stuttgarter Regionalgruppe von Fridays for Future. Er hoffe, dass es nun regelmäßig solche Aktionen an Flughäfen gebe. Man müsse den Leuten klarmachen, dass das Fliegen die Umwelt zerstöre. Inlandsflüge sollten verboten werden, Kerosin gehöre ordentlich besteuert. Es sei aber auch Sinn der Sache, den Fluggästen ein schlechtes Gewissen zu machen.

„Das hatten wir so noch nicht“, sagt eine Sprecherin des Flughafens. Es sei gut, dass sich junge Leute engagierten. Auch dem Flughafen sei Klimaschutz wichtig. Aber man wolle das Fliegen eben nicht verbieten, sondern klimafreundlicher machen, etwa durch neue Treibstoffe.

Und die Reisenden? Susanne Woitsch steht unten in der Halle vor dem Schalter 158 und blickt nach oben zu den Demonstranten. „Ich habe ein schlechtes Gewissen“, sagt die 56-Jährige, die auf dem Weg nach Amsterdam ist. Ein Betriebsausflug übers Wochenende. Den Protest begrüßt sie. „Das ist richtig und wichtig, weil sich sonst nichts ändert“, sagt sie. „Die Politiker brauchen Druck.“