Unveröffentlichte IW-Studie Jeder achte Betrieb stellt trotz schlechter Geschäfte weiter ein

Exklusiv | Berlin · Jedes achte deutsche Unternehmen will mehr Beschäftigte einstellen, obwohl seine Geschäfte nicht gut laufen. Eine unveröffentlichte Studie zeigt, wie sehr der Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt bereits beherrscht.

Unternehmen in Deutschland suchen händeringend Fachkräfte - auch wenn ihre Geschäfte gar nicht gut laufen.

Unternehmen in Deutschland suchen händeringend Fachkräfte - auch wenn ihre Geschäfte gar nicht gut laufen.

Foto: dpa-tmn/Florian Küttler

Jeder achte deutsche Betrieb plant, seine Beschäftigung auszubauen, obwohl er nur ein gleichbleibendes oder sogar sinkendes Produktionsniveau erwartet. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Das Institut wertete Antworten von fast 2000 deutschen Unternehmen bei seiner Konjunkturumfrage im Frühjahr aus.

Demnach spielt die Fachkräftesicherung bei der Personalplanung dieser Unternehmen, die wegen schwacher Konjunktur oder struktureller Umbrüche keine Produktionssteigerungen erwarten, eine größere Rolle als die Anpassung an ihre Geschäftserwartungen. In früheren Jahren war dagegen die Anpassung der Beschäftigung an den jeweiligen Konjunkturverlauf bei deutlich mehr Unternehmen die Regel als heute, schreibt das IW.

Fachkräftesicherung als Motiv

„In der Gruppe mit bestenfalls konstanter Produktions-, aber steigender Beschäftigungserwartung war die Zustimmung für die Fachkräftesicherung mit 84 Prozent signifikant erhöht“, heißt es in der Studie. Zwar bewertete diese Gruppe die Arbeitskosten zu 72 Prozent auch als wichtig. Die Bedeutung der Arbeitskosten unterscheide sich bei ihnen jedoch nicht signifikant von anderen Unternehmen in der Umfrage.

„Der Bedeutung von Wiederbesetzungen der Rentenabgänge stimmten 90 Prozent der Betriebe zu, die auch die Bedeutung der Fachkräftesicherung in ihrer Personalplanung sahen. Das verdeutlicht: Die Betriebe wissen, dass der Renteneintritt der Babyboomer den Fachkräftemangel verstärken kann“, heißt es in der Studie.

In Deutschland seien der Fachkräftemangel und die Entwicklung der Arbeitskosten generell ausschlaggebender für die betriebliche Personalplanung. Dagegen seien konjunkturelle Schwankungen oder Umstrukturierungen durch Dekarbonisierung oder die geopolitische Folgen etwa des Ukraine-Kriegs weniger relevant.

Fachkräftesicherung und Arbeitskostenentwicklung würden mit dem Renteneintritt der Babyboomer für die Beschäftigung weiter an Bedeutung gewinnen, so das Institut. „Mittelfristig kommt es auf ein stabiles Arbeitsvolumen an, um Fachkräftemangel und Lohnkostenentwicklung zu dämpfen. Reformen für eine längere Lebensarbeitszeit, einen größeren Erwerbsumfang für Zweitverdiener und mehr qualifizierte Zuwanderung sind gefragt“, heißt es in der Studie.