Ärztekammer-Chef will Patienten für unnötige Arztbesuche zahlen lassen

Ärztekammer-Bundeschef in der Kritik : Streit um Gebühr für unnötige Arztbesuche

Patienten wehren sich dagegen, dass sie künftig für fragwürdige Praxisbesuche zahlen sollen. Auch Saar-Ärztekammerchef Mischo sieht die Idee kritisch.

Der neue Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt hat mit seiner Forderung, von Patienten, die übermäßig häufig zum Arzt gehen, eine Selbstbeteiligung zu verlangen, eine heftige Debatte ausgelöst. Während der Präsident der saarländischen Ärztekammer, Dr. Josef Mischo, die Idee seines Bundeskollegen als „von der Sache her richtig bezeichnet“, sie aber praktisch für äußerst schwierig umzusetzen hält, wirft ihm die Deutsche Stiftung Patientenschutz „maximale Patientenverunsicherung“ vor.

„Nicht jeder Besuch beim Arzt ist notwendig und sinnvoll“, sagte Reinhardt, der erst im Mai zum Präsidenten der Bundesärztekammer gewählt wurde, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. So gebe es Menschen, die zwei oder drei Hausärzte hätten und sich regelmäßig eine zweite oder dritte Meinung einholten. „Das geht nicht.“ Mit kleinen Geldbeträgen ließe sich das Verhalten der Patienten verändern. Das zeigten Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen es eine Selbstbeteiligung gebe. Der Erstzugang zum Arzt solle immer frei sein, betonte Reinhardt. „Aber man muss genauer hinsehen, wer wann und weshalb zum Arzt geht“, so der Ärztepräsident.

Saar-Ärztekammerchef Mischo hält eine solche Gebühr unterdessen für kaum durchsetzbar. „Oft wissen wir gar nicht, dass der Patient bereits bei einem anderen Arzt war. Das sehen wir dann erst bei der Quartalsabrechnung durch die Kassenärztliche Vereinigung“, gibt er zu bedenken. Man müsste also im Nachhinein von den Betroffenen das Geld einfordern. Das wiederum könne zu langen juristischen Auseinandersetzungen führen, weil der Arzt alles nachweisen müsse. Mischo schlägt stattdessen vor, Patienten zum Umdenken zu bewegen, indem sie wie Privatversicherte nach jedem Arztbesuch eine Rechnung erhalten, die sie dann von ihrer Krankenkasse zurückerstattet bekommen. „Viele Patienten wissen gar nicht, welche Kosten sie verursachen“, sagt Mischo.

Bundesärztekammer-Chef Reinhardt formuliert das anders: „Die Patienten müssen lernen, verantwortungsvoll mit der Ressource Arzt umzugehen.“ Wer das nicht tue, verbaue den Menschen, die ernsthaft erkrankt seien, den Weg zu ärztlicher Hilfe.

„Niemand setzt sich aus reiner Langeweile in ein Wartezimmer“, findet hingegen der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Er forderte den Präsidenten der Bundesärztekammer auf, sich in solchen Fragen besser mit seinen Praxiskollegen abzustimmen. Schließlich müssten die vor Ort entscheiden, welcher Patientenkontakt notwendig sei und welcher nicht, erklärte er.

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