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Abzugspläne des US-Präsidenten: Trump, die Eifel und die Zukunft der US-Truppe

Abzugspläne : Trump, die Eifel und die Zukunft der US-Truppe

Ein Abzug der Soldaten würde die Region rund um den Stützpunkt Spangdahlem hart treffen. Dort hofft man, dass der US-Kongress die Pläne des Präsidenten durchkreuzt.

Für Karl Metz ist klar: „Wenn die Soldaten in Spangdahlem abziehen, können wir den Laden hier schließen.“ Metz verkauft Autos für amerikanische Militärangehörige, ganz in der Nähe der Air Base. „Es wäre ein Totalverlust. Arbeit weg, alles weg.“ Wie er machen sich derzeit viele Menschen in der Eifel rund um den US-Flugplatz Spangdahlem große Sorgen. Um Arbeitsplätze, Firmenaufträge, aber auch um Freundschaften und gelebtes deutsch-amerikanisches Miteinander.

Denn jetzt ist es raus: Die US-Armee will aus Spangdahlem ein Geschwader von F-16-Kampfjets mit Besatzung, Unterstützungskräften und Technikern nach Italien verlegen. Die Staffel mit über 20 Flugzeugen, die weltweit Einsätze der US-Air Force und der Nato unterstützt, ist das Kernstück des US-Stützpunkts mit ihren rund 4000 Soldaten. Ein Schock für die Region: „Mit dieser Nachricht ist die Unsicherheit hier deutlich gestiegen“, sagt Ortsbürgermeister Alois Gerten (parteilos) in Spangdahlem. Auch, wenn es noch viele Fragezeichen gibt. „Wir wissen nicht, wie viele gehen. Und wir wissen nicht, wie schnell“, sagt Gerten. Dass der Standort ganz geschlossen werden könnte – das glaubt Gerten wie andere Politiker in der Region nicht. Einschließlich der Angehörigen leben und arbeiten fast 11 000 Menschen auf dem Stützpunkt. Der Flugplatz ist Arbeitgeber für weit mehr als 800 Deutsche.

Nicht nur die Eifeler sind von den Plänen von US-Präsident Donald Trump betroffen. Laut Ankündigung will die USA ihre in Deutschland stationierten 36 000 Soldaten um rund 12 000 verringern. Truppen sollen auch in Baden-Württemberg und in Bayern abgezogen werden. Angekündigt hatte Trump den Teilabzug der US-Truppen bereits im Juni und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. Am Mittwoch hatte Verteidigungsminister Mark Esper die Pläne zumindest teilweise konkretisiert.

Deutsche Politiker hofften am Donnerstag auf eine Korrektur der US-Pläne. Es gebe im US-Kongress „auch unter republikanischen Abgeordneten erhebliche Bedenken gegen diese sehr spontane Entscheidung“, sagte der CDU-Politiker Friedrich Merz im Deutschlandfunk. Die Entscheidung sei „ein erneuter Weckruf“, aber „kein Anlass zur Panik“. Er riet dazu, zunächst abzuwarten, „ob diese Truppenabzüge dann tatsächlich so stattfinden“.

In der Tat gibt es auch in den USA heftige Kritik an den Plänen. Der republikanische Senator Mitt Romney nannte den geplanten Teilabzug einen „schwerwiegenden Fehler“. Romney – ein innerparteilicher Kritiker Trumps – schrieb auf Twitter: „Es ist ein Schlag ins Gesicht eines Freundes und Verbündeten.“ Der republikanische Senator Ben Sasse bescheinigte Trump „mangelndes strategisches Verständnis“. Aufseiten der US-Demokraten sprach der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus, Eliot Engel, von einem „schweren Schlag“, den Trump Deutschland und der Nato versetzt habe. Trump lasse nichts unversucht, um dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu gefallen. Der reagierte am Donnerstag in der Tat mit Genugtuung auf die Abzugspläne: „Je weniger US-Soldaten auf dem europäischen Kontinent sind, desto ruhiger wird es in Europa“, ließ er über seinen Sprecher mitteilen.

Angesichts der Kritik aus dem US-Kongress ist es jedoch unklar, ob Trumps Maßnahme wie geplant über die Bühne gehen kann. Der US-Präsident kann den Teilabzug als Oberbefehlshaber der Streitkräfte anordnen. Für die Umsetzung braucht er aber Geld. Der Kongress müsste die Mittel bewilligen.

Doch selbst wenn es zum Truppenabzug kommen sollte: Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), sieht darin auch eine „Chance zur Stärkung europäischer Souveränität“. Roth äußerte sich in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Donnerstag zwar enttäuscht über die US-Entscheidung, warnte aber davor, jetzt „in Wehklagen zu verfallen“. „Es ist an der Zeit, dass Europa seine Rolle in der Welt stärkt und auf eigenen Füßen steht“, betonte Roth.

In Spangdahlem spielen solche Überlegungen eine untergeordnete Rolle: „Wenn die Amerikaner gehen, wäre das wirtschaftlich und privat fürchterlich“, sagt der Geschäftsführer des Host Nation Council Spangdahlem, Lothar Herres. Sein Verein kümmert sich um die Pflege freundschaftlicher Kontakte zu den amerikanischen Soldaten. Es gebe mehr als 2000 Mietverhältnisse von Amerikanern in der strukturschwachen Region. Zudem liefen Schüleraustausche zwischen Gymnasien in der Eifel und der Middle- und High-School auf der Base, viele Ehen und ungezählte Freundschaften seien geschlossen worden.

Die Wirtschaftskraft pro Jahr durch die Amerikaner werde auf knapp 140 Millionen Euro geschätzt, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, Manfred Rodens (CDU). Auch er hofft, dass der Abzug noch abgeblasen wird. „Für mich ist die Sache noch nicht in trockenen Tüchern“, sagt Rodens.