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Impfen in Deutschland: Steigt jetzt die Bereitschaft?

Keine kostenlose Bürgertests mehr : Steigt jetzt die Bereitschaft zum Impfen?

Die zahlreichen Corona-Teststationen dürften deutlich weniger werden, wenn von diesem Montag an die Kostenfreiheit für die meisten Bürger entfällt.

Wenn an diesem Montag die Corona-Tests im allgemeinen nicht mehr kostenfrei sind, erwartet die Bundesregierung eine steigende Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Unentgeltlich kommen nun nur noch diejenigen zu einem schnellen Zertifikat, die sich noch nicht impfen lassen konnten, also vor allem Kinder und Jugendliche. Wer erst seit Kurzem für eine Impfung infrage kommt, hat eine Übergangsfrist. Alle anderen müssen zahlen. Wie hoch der jeweilige Betrag sein wird, hängt auch von der Marktentwicklung ab.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstützte das Ende der Corona-Tests zum Nulltarif. „Das Auslaufen der kostenlosen Corona-Tests ist richtig“, sagte Lauterbach unserer Redaktion. „Es wäre falsch, denjenigen, die sich selbst der Solidarität des Impfens verweigern, unbegrenzt solidarisch die Tests zu bezahlen.“ Es gebe zwar keine Impfpflicht, aber solidarisch sei die Impfung schon, sonst gefährde man andere Menschen, erklärte der SPD-Politiker.

Die Grünen-Gesundheitspolitiker Maria Klein-Schmeink verwies auf die jahreszeitlich zu erwartende Entwicklung und meinte: „Jetzt im Herbst halten wir kostenlose Bürgertests weiterhin für ein sinnvolles Instrument, eventuell örtlich verbunden mit einer Möglichkeit zur intensiven Impfberatung.“

Auch in der Ärzteschaft gibt es Skepsis zu den Auswirkungen des Schrittes. So wird befürchtet, dass sich auch weniger Menschen mit ersten Symptomen testen lassen könnten und es so zu einer steigenden Dunkelziffer bei den Infektionen kommt.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, verwies darauf, dass zahlreiche bislang leicht erreichbare Teststationen verschwinden würden und so auch die Besucher der rund 900 000 Pflegeheimbewohner lange Wege in Kauf nehmen müssten, wenn sie sich zum Schutz der Besuchten testen lassen wollten. Viele stationäre Einrichtungen verlangten von Besuchern grundsätzlich den Nachweis eines aktuellen negativen Testergebnisses. Er sprach sich dafür aus, die rund 12 000 Pflegeheime per Verordnung dazu zu verpflichten, Tests vor Ort anzubieten.

Gratistests bekommen weiterhin alle Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen sollen und alle Kinder bis zwölf Jahre. Auch Menschen, die sich zur Beendigung einer Quarantäne testen lassen müssen, erhalten weiterhin einen kostenlosen Zugang. Für Zwölf- bis 17-Jährige sowie für Schwangere besteht eine Übergangsfrist; sie können sich noch bis zum Jahresende einmal in der Woche gratis testen lassen. Ansonsten gilt jedoch der Grundsatz: Wer bislang die Chance gehabt hätte, sich impfen zu lassen, diese aber nicht nutzte, muss künftig zahlen.