Immer mehr Drogenopfer im Saarland

Tödlicher Trend : Immer mehr Drogenopfer im Saarland

Die Zahl der Toten durch Drogenkonsum steigt im Saarland stärker als im Bund. Die Landesregierung hat dafür ein Erklärung.

Die Zahl der Drogentoten im Saarland ist im vergangenen Jahr mit 35 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Der Landesdrogenbeauftragte, Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU), bestätigte diese Zahl gestern gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Im Jahr 2017 hatte es 29 Drogentote gegeben, 2016 waren es 27, ein Jahr zuvor noch 19. Damit stieg die Zahl binnen drei Jahren um fast 85 Prozent. Im gesamten Bundesgebiet stagnierte die Zahl der Drogentoten dagegen im vergangenen Jahr. Wegen des Konsums illegaler Substanzen starben bundesweit 1276 Menschen und damit vier mehr als 2017, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), mitteilte.

Kolling erklärte die Zunahme der Zahl von Drogentoten im Saarland auch mit dem „dramatischen Anstieg“ der Zahl der Amphetamin-Konsumenten. „Wir sind nach der aktuellen Studie europaweit Platz eins“, sagte Kolling. Dieser „exorbitant hohe“ Amphetamin-Konsum sei aus Sicht der Landesregierung ein „Erklärungsmuster“ für die hohe Todeszahl. Zudem habe das Facharztforum im Saarland bestätigt, dass die Zahl der Verschreibungen von Psychopharmaka zugenommen habe. Durch die gleichzeitige Einnahme dieser Psychopharmaka und illegaler Drogen komme es verstärkt zu Todesfällen, sagte Kolling. Letztlich hätten auch die Wirkstoffkonzentrationen bei den Amphetaminen und den harten Drogen zugenommen. Diese Mischeinnahme von verschiedenen Drogen und Psychopharmaka führe zudem zu Selbstmorden der Drogenkonsumenten.

Allein durch das Naloxon-Programm des Saarbrücker Drogenhilfezentrums hätte in sieben Fällen der Tod eines Drogenabhängigen verhindert werden können, sagte Kolling. Naloxon ist ein Medikament, das die Wirkung von Opioiden begrenzt. „Sonst wären wir bei über 40 Drogentoten im Saarland“, betonte der Drogenbeauftragte der Landesregierung. Bisher sei die Verabreichung des Notfallmedikaments auf etwa 50 Drogenabhängige limitiert. „Wir werden das weiter ausbauen“, erklärte Kolling.

Häufigste Todesursache waren bundesweit weiterhin Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. Daran starben in Deutschland 629 Menschen, nachdem es im Jahr zuvor 707 waren. Einen Anstieg gab es bei Todesfällen durch psychoaktive Medikamente.

Die Drogenbeauftragte Mortler sagte: „Drogenabhängigkeit ist eine Krankheit. Kranke brauchen Hilfe und keine Stigmatisierung.“ Eine zentrale Rolle komme den 1500 ambulanten Suchtberatungsstellen zu, die auch beim Bewältigen sozialer Folgen des Drogenkonsums unterstützen. „Um Leben zu retten, brauchen wir eine funktionierende Suchthilfe vor Ort“, betonte Mortler.