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„Ich habe die Flucht nach vorn angetreten“

„Ich habe die Flucht nach vorn angetreten“

Sigrid Meierhofer ist die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen. In den letzten Tagen musste die 59-Jährige viel aushalten – Meierhofer war gegen das Camp der G7-Gegner in ihrer Stadt. Daraufhin erlebte die SPD-Politikerin einen Shitstorm „ungeahnten Ausmaßes“. Im Gespräch mit SZ-Korrespondent Hagen Strauß erklärt Meierhofer ihre Beweggründe. Und sie verrät, was sie sich von Kanzlerin Angela Merkel gewünscht hätte.

Frau Meierhofer, nehmen Sie es der Bundeskanzlerin eigentlich übel, dass sie ausgerechnet Ihre Region für den G7-Gipfel ausgewählt hat?

Meierhofer: Nein. Ich nehme es ihr nicht übel. Weil es hier einfach traumhaft ist.

Jetzt folgt doch ein Aber, oder etwa nicht...?

Meierhofer: Richtig. Aber der ganze Gipfel ist eine riesige Belastung für uns. Im Endspurt hätte ich mir die eine oder andere zusätzliche Unterstützung gewünscht. Wir haben von unserer Seite aus diesen Gipfel mit der normalen Besetzung im Landratsamt vorbereitet, konfrontiert waren wir beispielsweise mit den Tücken des Versammlungs- und Veranstaltungsrechts. Das war eine enorme Mehrarbeit, und leider haben wir weder vom Land noch vom Bund genügend Hilfe bekommen.

Hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mal bei Ihnen gemeldet, um sich bei Ihnen zu erkundigen?

Meierhofer: Ich habe die Kanzlerin getroffen zusammen mit den Bürgermeistern der drei Gemeinden, die besonders berührt sind vom Treffen auf Schloss Elmau. Wir hatten ein kurzes Gespräch mit Frau Merkel. Aber das war es leider.

Wie ist die Stimmung in Ihrer Stadt?

Meierhofer: Die Stimmung war in den letzten Tagen von zunehmender Angst geprägt. Viele Bürger haben sich gefragt, was da vor allem heute bei der Demonstration auf sie zukommen könnte. Was wollen die Demonstranten hier? Wieso müssen wir mit Gewalt rechnen und wie wird die ausschauen? Das hat die Bürger umgetrieben. Keiner kann sich das hier vorstellen. Denn wir haben in Garmisch-Partenkirchen normalerweise keine Demonstrationen.

Sie waren gegen das Protestcamp der G7-Gegner, das dann gerichtlich zugelassen wurde. Haben Sie ihren Frieden mit dem Camp gemacht?

Meierhofer: Ich hatte die Sorge, dass von dem Camp Gewaltexzesse ausgehen könnten. Nachdem die Rechtsprechung aber so erfolgt ist, habe ich die Flucht nach vorn angetreten und das Gespräch mit den Sprechern der G7-Gegner gesucht. Auch hatten wir ein Treffen mit den Einsatzkräften. Wir haben uns auf ein Regelwerk verständigt. Jetzt hoffe ich, dass alles friedlich bleibt.

Was wird sein, wenn der riesige G7-Tross am Montag wieder weg ist?

Meierhofer: Dann hoffe ich, dass wir mit den Aufräumarbeiten ganz schnell fertig werden. Und dass wieder Normalität einkehrt in unserer Stadt.