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Hollande sucht den Schulterschluss

Hollande sucht den Schulterschluss

US-Präsident Barack Obama und der französische Staatschef François Hollande haben Geschlossenheit im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat demonstriert. Washington erklärt sich mit Paris solidarisch.

Wer zurückdenkt an die Kontroverse vor der Irak-Invasion, muss sich erst noch gewöhnen an das neue französisch-amerikanische Rollenspiel. Francois Hollande kam am Dienstag als "Kriegspräsident" ins Weiße Haus, darauf bedacht, Barack Obama das Versprechen abzuringen, resoluter gegen den "Islamischen Staat" vorzugehen. Obama wiederum lässt an den Jacques Chirac des Jahres 2003 denken, an den Mahner, der den burschikosen George W. Bush zu bremsen versuchte.

Zugegeben, der Vergleich hinkt, aber in Washington gibt es kaum einen, der ihn nicht anstellen würde, schon um zu illustrieren, wie sich das Blatt manchmal wenden kann. Hollande sucht den Schulterschluss mit Obama, von dem er weiß, dass nur er das Bündnis gegen den IS anführen kann. Den beschwor er denn auch, als beide im East Room des Weißen Haus vor die Journalisten traten. Höchste Priorität habe es, den IS in Syrien aus Schlüsselpositionen zu verdrängen, betonte der Franzose, darin sei er sich "mit Barack" völlig einig. "Wir müssen mehr tun", pflichtete der Amerikaner bei.

Was konkret geschehen soll, ließen beide im Ungefähren. Russland, sagte Obama mit Blick auf Wladimir Putin, könne eine konstruktivere Rolle spielen, wenn es seinen Fokus verschiebe. Es solle seine Luftschläge auf den IS konzentrieren, "auf die wahre Gefahr", statt wie bisher auf Stellungen moderaterer Assad-Gegner. Außerdem könne es bei den Syrien-Verhandlungen in Wien dazu beitragen, eine Übergangslösung für die Zeit nach Assad zu finden. Russland und Iran, fügte Obama hinzu, bildeten eine Zweierkoalition, während die Vereinigten Staaten eine globale gezimmert hätten, einen Pakt von 65 Staaten. Moskau und Teheran seien eingeladen, sich letzterer anzuschließen. Über die Türkei sagte er mit Blick auf den abgeschossenen russischen Kampfjet, das Land habe natürlich das Recht, seinen Luftraum zu verteidigen. Nur dürfe man die Spannungen wegen des Zwischenfalls nicht eskalieren lassen.

Seit den Anschlägen von Paris steht Obama verstärkt in der Kritik, zumal er den IS lange unterschätzt hatte. Nach den Anschlägen von Paris hat er seine Rhetorik leicht verschärft. Ob den härteren Worten auch ein Strategiewechsel folgt, bleibt allerdings abzuwarten. Im Moment gibt es kaum Indizien dafür.

Seit August 2014 haben Piloten der Koalition gegen den IS diesen etwa 8000 Mal bombardiert, anfangs nur im Irak, später auch in Syrien. Rund 80 Prozent der Einsätze werden von der US-Luftwaffe geflogen, die übrigen von Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Knapp vier Jahre nach dem Abzug aus dem Irak sind bereits wieder 3500 US-Soldaten in der Region stationiert, das Gros als Ausbilder und Berater im Zweistromland. Ein kleines Kontingent an Spezialtruppen, nach offiziellen Angaben maximal 50 Mann, soll demnächst nach Syrien beordert werden. Selbst für manche Demokraten, wie etwa Hillary Clinton , ist das zu wenig. Dass Obama ganze Bodentruppen schickt, kann sich niemand vorstellen.

Meinung:

Kühlen Kopf bewahren

Von SZ-KorrespondentFrank Herrmann

In Syrien, wo amerikanische Führungsstärke gefragt wäre, ließ die Hypothek des Irak-Abenteuers die Amerikaner länger zuschauen, als es angesichts des furchtbaren Blutvergießens geboten gewesen wäre. Vielleicht greifen die USA unter dem Eindruck der Pariser Anschläge nun doch ein, aber dann nur in kleinen Schritten. Intensivierte Luftschläge. Militärberater für die kurdischen Kämpfer, die einzigen, die wirklich am Boden gegen die IS-Miliz kämpfen. Verstärkter Druck auf die Türkei und Saudi-Arabien, die im "Islamischen Staat" lange ein sunnitisches Gegengewicht gegen den Alawiten Assad und die schiitischen Iraner sah. Das alles ist vorstellbar. Doch Bodentruppen sind für Obama keine Option. Bisher hat er einen kühlen Kopf bewahrt, statt aus der Hüfte zu schießen. Er wäre gut beraten, dabei zu bleiben und nicht in die IS-Falle zu tappen, egal, wie sich die Stimmungslage entwickelt. Amerikanische Soldatenstiefel im Wüstensand - es ist genau das, worauf die Terroristen nur lauern.