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Haariges Thema: Die Kopflaus ist auf dem Vormarsch Gefräßige Krabbler: Dreimal täglich saugt die Laus

Haariges Thema: Die Kopflaus ist auf dem Vormarsch Gefräßige Krabbler: Dreimal täglich saugt die Laus

Homburg. Kopfläuse. Immer öfter stellen Mediziner in Deutschland diese Diagnose. Die Verkaufszahlen der einschlägigen Läusemittel sind heute höher als vor 40 Jahren. Allein seit der Jahrtausendwende stieg nach Angaben des Unternehmens Infectopharm der Absatz um über 50 Prozent von 1,5 Millionen auf 2,3 Millionen Packungen pro Jahr

Homburg. Kopfläuse. Immer öfter stellen Mediziner in Deutschland diese Diagnose. Die Verkaufszahlen der einschlägigen Läusemittel sind heute höher als vor 40 Jahren. Allein seit der Jahrtausendwende stieg nach Angaben des Unternehmens Infectopharm der Absatz um über 50 Prozent von 1,5 Millionen auf 2,3 Millionen Packungen pro Jahr. Gründe für diese Entwicklung können auch Experten nur vermuten. Wir verreisen häufiger und in entferntere Regionen, Fehler bei der Behandlung könnten eine Rolle spielen und die Entwicklung neuer Arten widerstandsfähiger Parasiten.

Dr. Claudia Pföhler, Oberärztin der Hautklinik an den Universitätskliniken des Saarlandes, beobachtet, dass Kopfläuse gegen den häufig eingesetzten Wirkstoff Permethrin resistent geworden sind. Doch es gibt neue Präparate, die den Wirkstoff Dimeticon enthalten, ein Silikon. Es ist farblos, durchsichtig und ungiftig. Gegen Läuse wirkt Dimeticon physikalisch. Es verklebt die Atemröhren der Tiere, so dass sie ersticken. Permethrin und ähnliche Insektenvernichtungsmittel zielen hingegen aufs Nervensystem der Blutsauger. Das große Plus der Dimeticon-Präparate: Da sie ungiftig sind, können diese Mittel auch bei Schwangeren und Kleinkindern angewendet werden.

Doch ganz gleich, welches Mittel man einsetzt, es müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, sonst lässt sich die Infektionskette nicht durchbrechen. Wer die Mittel zu sparsam oder ungleichmäßig aufträgt, im tropfnassen Haar zu stark verdünnt oder nicht lange genug wirken lässt, darf sich nicht wundern, wenn nach drei Wochen wieder die Läuse krabbeln.

"Viele Leute scheuen die Arbeit mit dem Nissenkamm", erklärt Claudia Pföhler. Nach der chemischen Behandlung müssen die Läuseeier nämlich sorgfältig mittels eines Spezialkammes entfernt werden. Die Eier sind von stabilen Chitinhüllen, so genannten Nissen, umgeben und überleben daher oft die chemische Keule. Sie kleben nahe der Kopfhaut am Haarschaft, da sie eine relativ hohe Temperatur benötigen, um reifen zu können. Lebende Nissen sind dunkel und nie mehr als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt. Tote Nissen sind dagegen hell, weiter entfernt und nicht mehr infektiös.

Nissen lassen sich nur schwer abstreifen und gar nicht auswaschen, da die Läusemutter sie mit einer wasserunlöslichen Substanz festkittet. Vor dem Auskämmen sollte daher der Kopf mit Essigwasser behandelt werden. Die Expertin empfiehlt eine Mischung von einem Drittel Speiseessig mit zwei Dritteln Wasser und eine Einwirkzeit von fünf Minuten. Danach werden die Haare mit dem feinzinkigen Nissenkamm alle zwei Zentimeter gescheitelt und ausgekämmt. Eine helle Lampe und eventuell auch eine Lupe leisten da gute Dienste. Das Ergebnis lässt sich überprüfen, indem man den Kamm an einem hellen Handtuch abstreift. Der heftigste Befall findet sich erfahrungsgemäß hinter den Ohren und oberhalb des Nackens.

Ist dies geschafft, gilt der Mensch als entlaust und darf wieder Kindergarten oder Schule besuchen. Bei Kindern reicht eine Bescheinigung der Eltern, dass die Behandlung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Ein ärztliches Attest wird gefordert, wenn innerhalb von vier Wochen erneut Kopfläuse auftreten. Allerdings muss acht bis zehn Tage nach der Behandlung die Prozedur wiederholt werdem. Dies empfiehlt Pföhler unabhängig vom Mittel und auch dann, wenn der Hersteller dies nicht ausdrücklich in der Gebrauchsanweisung erwähnt. Denn zu diesem Zeitpunkt schlüpfen Larven aus den Eiern, welche die erste Behandlung überlebt haben, und die Infektion beginnt von neuem. Saarbrücken. Die Kopflaus ist zwei bis dreieinhalb Millimeter groß und durchläuft ihren gesamten Entwicklungszyklus vom Ei über die Larve zur erwachsenen Laus innerhalb von drei Wochen auf dem menschlichen Kopf. Sie hält sich strikt an den menschlichen Wirt. Haustiere sind keine Überträger und Tierläuse können sich nicht an Menschen entwickeln.

Mehrmals täglich verschafft sich die Laus eine Blutmahlzeit, indem sie ihren Rüssel in die Kopfhaut einsticht. Der für den Befall typische, heftige Juckreiz entsteht durch eine allergische Reaktion des Körpers auf den Speichel der Laus. Da Läuse weder springen noch fliegen, hangeln sie sich von Haar zu Haar. An krausen oder kurzen Haaren finden sie weniger Halt als an langen, glatten Haaren.

Der Befall mit Kopfläusen ist nicht von der persönlichen Sauberkeit abhängig. Häufiges Haarewaschen führt deshalb nur zu sauberen Läusen. Beim Kopflausbefall eines Kindes fürchten Eltern vor allem den Aufwand der so genannten Umfeldsanierung.

Eine Laus, die sich vom Kopf weg verirrt, stirbt nach drei Tagen. Daher ist die Ansteckung an unbelebten Gegenständen nur möglich, wenn sie zum Beispiel in einer Familie in einer relativ kurzen Zeitspanne gemeinsam benutzt werden. AH

Hintergrund

So macht man Läusen den Garaus:

Bettwäsche, Unterwäsche, Handtücher bei 60 Grad waschen.

Bürsten und Kämme in heißer Seifenlösung reinigen.

Schals, Mützen, Kapuzen bei 60 Grad waschen oder zusammen mit Kuscheltieren und -decken in einem geschlossenen Sack zwei Wochen lang draußen (optimal in winterlicher Kälte) stehen lassen.

Sofas, Teppiche und Polstermöbel absaugen, auch die Nackenstützen im Auto.

Haariges Thema: Die Kopflaus ist auf dem Vormarsch Gefräßige Krabbler: Dreimal täglich saugt die Laus
 Unsere ungebetenen Gäste: Die obere Aufnahme zeigt eine Milbe in extremer Vergrößerung unter dem Mikroskop. Auf der linken Fotografie ist eine Kopflaus zu sehen.Fotos: Uniklinik Homburg/Infectopharm
Unsere ungebetenen Gäste: Die obere Aufnahme zeigt eine Milbe in extremer Vergrößerung unter dem Mikroskop. Auf der linken Fotografie ist eine Kopflaus zu sehen.Fotos: Uniklinik Homburg/Infectopharm

Kleine Gegenstände einen Tag in der Tiefkühltruhe einfrieren.