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Große Hoffnung, wenig WirkungNabelschnurblut: Lebensretter oder Geschäftemacherei?

Große Hoffnung, wenig WirkungNabelschnurblut: Lebensretter oder Geschäftemacherei?

Saarbrücken. Es klingt wie Zukunftsmusik: Im vergangenen Jahr hat ein sechsjähriges Mädchen im amerikanischen Bundesstaat Illinois mit Hilfe von Stammzellen aus dem Blut seiner eigenen Nabelschnur eine Leukämie-Erkrankung besiegt. Das Blut war nach der Geburt des Kindes in einer kommerziellen Nabelschnurblutbank tiefgekühlt eingelagert worden. Nabelschnurblut enthält viele Stammzellen

Saarbrücken. Es klingt wie Zukunftsmusik: Im vergangenen Jahr hat ein sechsjähriges Mädchen im amerikanischen Bundesstaat Illinois mit Hilfe von Stammzellen aus dem Blut seiner eigenen Nabelschnur eine Leukämie-Erkrankung besiegt. Das Blut war nach der Geburt des Kindes in einer kommerziellen Nabelschnurblutbank tiefgekühlt eingelagert worden. Nabelschnurblut enthält viele Stammzellen. Wenn sie nach der Geburt aufbewahrt werden, können sie einem Menschen ein Leben lang bei der Bekämpfung verschiedener Erkrankungen zur Verfügung stehen.Doch viele Mediziner warnen vor Euphorie. Denn außer Leukämien gibt es bisher keine Krankheit, die mit Stammzellen geheilt werden könnte. Stammzellen einzufrieren, gleiche daher einer Wette auf die Zukunft mit eher geringen Aussichten. Professor Gerhard Ehninger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, gibt zu bedenken, dass bei einer Nabelschnurblut-Therapie eigenes Blut und damit eigene Stammzellen verwendet werden. Damit bestehe die Gefahr, dass die genetische Veranlagung der Leukämie mitübertragen werde. Erfolgsgeschichten wie aus Illinois seien recht selten. Ehinger rät daher Eltern vom Einfrieren des Nabelschnurbluts bei kommerziellen Anbietern ab. Der Bund Deutscher Hebammen kritisiert das Verfahren als Geschäftemacherei. Für eine Einlagerung von 20 Jahren müssten Eltern zwischen 1500 und 2000 Euro zahlen. Magdalene Weiß, ehemalige Präsidentin des Hebammenverbandes, kritisiert, dass einige Ärzte Patienten dennoch zu diesem Verfahren raten. Das könne auch an den Honoraren liegen, die von einzelnen Anbietern für vermittelte Fälle gezahlt werden, vermuten die Kritiker. Nabelschnurblut wird auch in etwa 60 deutschen Kliniken kostenlos in öffentlichen Stammzellbanken eingelagert. Das Blut ist dort aber für Leukämie-Patienten bestimmt, für die kein Knochenmarkspender auf anderem Weg gefunden werden kann. pa