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Greenpeace fordert Stopp alter AKW

Greenpeace fordert Stopp alter AKW

Knapp drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima verlangt Greenpeace einen sofortigen Betriebsstopp alter Kernkraftwerke in Europa.

Etliche europäische Atomkraftwerke nähern sich nach Darstellung von Greenpeace inzwischen dem Ende ihrer technischen Lebensdauer und stellen so eine immer größere Sicherheitsgefahr dar. "Europa betritt eine neue Ära des atomaren Risikos", erklärte die Umweltschutzorganisation gestern mit Blick auf eine Expertenstudie, der zufolge das Durchschnittsalter der Meiler inzwischen bei 29 Jahren liegt.

Die international tätige Organisation forderte den Ausstieg aus der Atomkraft und das sofortige Aus für Reaktoren, die ihre sogenannte Auslegungslebensdauer erreicht hätten. Diese liegt nach dem für Greenpeace verfassten Gutachten des Öko-Instituts bei 30 bis 40 Jahren. Von den etwa 150 aktiven AKW in der EU und benachbarten Ländern seien heute bereits 66 älter als 30 Jahre, sieben sogar älter als 40 Jahre. Oftmals seien Laufzeit-Verlängerungen auf 50 bis 60 Jahre geplant.

Statt über Abschaltungen der entsprechenden Anlagen werde in vielen Ländern auf Betreiben der AKW-Eigner über Laufzeitverlängerungen und eine Steigerung der Leistung diskutiert, kritisierte Greenpeace. "Die überalterten Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben. Der Weiterbetrieb ist absolut unverantwortlich", warnte Atom-Experte Heinz Smital.

Bei ihren Aktionen drangen Greenpeace-Aktivisten gestern unter anderem auf das Gelände des Schweizer Atomkraftwerks Beznau vor und entrollten Banner mit der Aufschrift "The End" (Das Ende). Etwa 100 Menschen beteiligten sich an dem Protest. Beznau ist mit 45 Jahren nach Greenpeace-Angaben das älteste laufende AKW der Welt. Am belgischen Reaktor Tihange, dessen Laufzeit demnach gerade auf 50 Jahre verlängert wurde, versammelten sich dutzende Aktivisten. Die Umweltorganisation BUND und ihr österreichischer Partnerverband Global 2000 forderten unterdessen einen Atomausstieg in der EU bis 2030. Bei entsprechenden Anstrengungen beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Energieeffizienz-Förderung sei das möglich, erklärten sie unter Berufung auf eine von ihnen veröffentlichte Studie. In zwei Wochen beraten die Staats- und Regierungsschefs der EU über die Klima- und Energiepolitik der Gemeinschaft bis 2030.