1. Nachrichten
  2. Politik

Gericht stellt Blasphemie-Verfahren gegen junge Christin ein

Gericht stellt Blasphemie-Verfahren gegen junge Christin ein

Islamabad. Aus Mangel an Beweisen hat ein pakistanisches Gericht ein umstrittenes Blasphemie-Verfahren gegen eine junge geistig zurückgebliebene Christin eingestellt. "Der Hohe Gerichtshof in Islamabad hat alle Vorwürfe gegen meine Mandantin verworfen", sagte der Anwalt der Jugendlichen, Tahir Naveed Chaudhry

Islamabad. Aus Mangel an Beweisen hat ein pakistanisches Gericht ein umstrittenes Blasphemie-Verfahren gegen eine junge geistig zurückgebliebene Christin eingestellt. "Der Hohe Gerichtshof in Islamabad hat alle Vorwürfe gegen meine Mandantin verworfen", sagte der Anwalt der Jugendlichen, Tahir Naveed Chaudhry.Die etwa 14 Jahre alte Rimsha Masih war Mitte August in der Hauptstadt festgenommen und nach drei Wochen Haft auf Kaution freigelassen worden. Sie war angeklagt worden, Koran-Seiten verbrannt zu haben. Das Verfahren nahm eine überraschende Wendung, als die Polizei einem Imam aus der Nachbarschaft der Familie vorwarf, die beschädigten Seiten in die Tasche des Mädchens geschmuggelt zu haben. Vermutet wurde, dass der Imam Christen aus dem Armenviertel vertreiben wollte. Nach der Festnahme des Mädchens flohen die meisten Christen aus Angst vor Übergriffen von Muslimen aus dem Stadtteil. Der Imam streitet die Vorwürfe ab. Er wurde festgenommen, dann aber auf Kaution freigelassen, nachdem einige Belastungszeugen Aussagen zurückzogen. Die Einstellung des Verfahrens gegen Masih kann vor dem Verfassungsgericht angefochten werden. Masih und ihre Familie halten sich an einem unbekannten Ort auf. Die Festnahme des Mädchens hatte international, aber auch unter muslimischen Klerikern in Pakistan für Proteste gesorgt. Die Minderjährige hat nach ärztlicher Diagnose eine Lernbehinderung.

Am vergangenen Donnerstag hatte ein Gericht erstmals seit zwei Jahren wieder ein Todesurteil wegen Blasphemie verhängt. Verurteilt wurde ein Mann, der im März vergangenen Jahres festgenommen worden war, weil er angeblich den Propheten Mohammed verunglimpft hatte. dpa

Foto: Naeem/afp