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Gefährliche Begegnungen

Gefährliche Begegnungen

Wegen seiner Luftangriffe in Syrien steht Russland ohnehin in der Kritik. Ein Vorfall mit einem russischen Kampfjet drückt nun die Stimmung zwischen Moskau und Ankara.

Nur zwei Minuten dauerte die gefährliche Begegnung - doch sie könnte Vorbote einer direkten Konfrontation zwischen dem Nato-Land Türkei und Russland im Rahmen des Syrien-Konflikts gewesen sein. Wie gestern bekannt wurde, drang ein russischer Kampfjet am vergangenen Samstag während eines Einsatzes über Nordwest-Syrien in den türkischen Luftraum ein. Die türkische Luftwaffe schickte zwei ihrer eigenen Kampfflugzeuge , um den russischen Jet zu vertreiben. Beim nächsten Mal werde geschossen, erklärte Ankara. "Unsere Einsatzregeln sind klar, egal um wen es sich handelt", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu . Das Außenamt in Ankara bestellte den russischen Botschafter ein und las ihm die Leviten. Sollte sich ein ähnlicher Verstoß gegen die türkische Souveränität wiederholen, werde Russland allein für "ungewollte Zwischenfälle verantwortlich" sein - eine klare Warnung, dass russische Jets unter türkischen Beschuss geraten könnten.

Die Türkei will sich nun eng mit der Nato abstimmen - ein Hinweis darauf, dass Ankara in dieser Sache keinen Spaß versteht. Erst am Wochenende hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan von einem "schweren Fehler" der Russen in Syrien gesprochen. Während die Türkei den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad anstrebt, ist Russland Assads wichtigster Verbündeter. Der Syrien-Konflikt, der gerade eben mit der russischen Militärintervention zugunsten der Regierung in Damaskus eine neue Wendung erhielt, könnte in eine größere Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Moskau umschlagen.

Das möchte wohl auch Wladimir Putin vermeiden: Moskau bemühte sich gestern darum, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen. Es habe sich um einen Navigationsfehler gehandelt und werde nicht wieder vorkommen, sagten russische Regierungsvertreter dem türkischen Militärattaché in Moskau. Doch als reine Panne sieht die Türkei die Angelegenheit nicht. Schon am vergangenen Freitag war ein russisches Kampfflugzeug bei einem Einsatz über Syrien der türkischen Grenze sehr nahe gekommen. Am Sonntag richteten MIG-29-Jets im Norden Syriens ihren Radar auf zwei türkische Kampfflugzeuge , die an der Grenze unterwegs waren - die technische Vorstufe eines Beschusses. Die MIGs waren wahrscheinlich syrische Maschinen.

Die Lage ist brandgefährlich. Bereits mehrmals hat das türkische Militär syrische Kampfhubschrauber und Flugzeuge vom Himmel geholt, die bei Einsätzen gegen Rebellen in den türkischen Luftraum flogen. Das türkische Misstrauen gegenüber Russland wird verstärkt von der Tatsache, dass russische Jets bisher vor allem gemäßigte Rebelleneinheiten in Syrien angreifen, statt Stellungen des Islamischen Staates zu bombardieren.