1. Nachrichten
  2. Politik

Gauck fordert lebendige Demokratie

Gauck fordert lebendige Demokratie

25 Jahre friedliche Revolution sind ein Grund zu feiern. Bundespräsident Gauck blickt bewegt zurück in die Vergangenheit, aber auch bang in die Zukunft. Er sieht die demokratischen Werte in Deutschland bedroht.

Bundespräsident Joachim Gauck hat 25 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR zu mehr demokratischem Engagement und zum Kampf gegen Hass und Intoleranz aufgerufen. Bei einem Festakt in Leipzig zur Erinnerung an die große Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 forderte der Bundespräsident erneut, Deutschland müsse Verantwortung auch im europäischen und globalen Rahmen übernehmen. Vor 1700 Gästen im Leipziger Gewandhaus sagte Gauck gestern: "Wir dürfen niemals vergessen, dass unsere Demokratie nicht nur bedroht ist von Extremisten, Fanatikern und Ideologen, sondern dass sie ausgehöhlt werden und ausdörren kann, wenn die Bürger sie nicht mit Leben erfüllen." Als Lehre aus der Geschichte forderte Gauck mehr Einsatz für die demokratischen Werte. "Nur so finden Intoleranz, nationalistische Hybris, Hass und Gewalt keinen Nährboden."

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU ) vermisst 25 Jahre nach dem Mauerfall das Engagement der Menschen für Freiheit und Demokratie . 1989/90 sei die Demokratie eine Verheißung gewesen, sagte Tillich. Heute sähen viele nur die Mühen der Ebene. "Der Geist der Gemeinschaft, die sich für ein gemeinsames Ziel einsetzt, scheint sich verflüchtigt zu haben."

Gauck würdigte das Engagement der vielen Bürger, das zum Sturz des DDR-Regimes geführt habe. Deshalb habe er auch die Präsidenten Ungarns, Polens, Tschechiens und der Slowakei genau an diesem Tag nach Leipzig eingeladen. Sichtlich bewegt sagte Gauck: "Hier und heute sagen wir es noch einmal ganz deutlich: kein 9. November ohne den 9. Oktober. Vor der Einheit kam die Freiheit." Unter den Gästen in Leipzig waren auch der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, sein früherer US-Kollege Henry Kissinger sowie zahlreiche frühere Bürgerrechtler.

Am 9. Oktober 1989 waren in Leipzig mehr als 70 000 Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Unter dem Ruf "Wir sind das Volk" zogen sie durch die Stadt. Die Staatsmacht beugte sich den friedlichen Demon-stranten. Der Einsatzbefehl wurde zurückgezogen.