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Gabriel greift Schäuble wegen Griechenland an

Gabriel greift Schäuble wegen Griechenland an

Der Umgang mit Griechenland spaltet die Koalition: Vizekanzler Sigmar Gabriel keilt gegen seinen Kabinettskollegen Wolfgang Schäuble, der schießt zurück. Streitpunkt ist Schäubles „Grexit“-Plan.

Die schwarz-rote Koalition kommt nach den Unstimmigkeiten in der Griechenland-Krise nicht zur Ruhe. Im Streit über das Konzept von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ), wonach Griechenland vorübergehend aus der Eurozone aussteigen sollte, legte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD ) am Wochenende nach. "Diesen Vorschlag als deutschen Vorschlag einzubringen, war aus meiner Sicht nicht vernünftig", sagte er im ZDF-Sommerinterview. Mit seinem Vorgehen habe Schäuble die SPD gegen sich aufgebracht. Der Minister habe gewusst, so Gabriel, dass die Sozialdemokraten "nur für einen einzigen Fall bereit sind, über ein Aussteigen Griechenlands aus der Eurozone zu reden" - nämlich dann, "wenn die Griechen das selbst wollen". Ihm selbst sei nur Schäubles Idee bekannt gewesen, nicht aber das konkrete Konzept, versicherte der SPD-Chef.

Der Finanzminister quittierte die Vorwürfe mit einer Gegenattacke. "Man sollte eigene Probleme nicht durch unzutreffende Behauptungen über andere lösen wollen", sagte Schäuble dem "Spiegel". Zugleich räumte er ein, dass er auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) in der Griechenlandfrage nicht immer einig gewesen sei. Schäuble räsonierte auch über die Möglichkeit eines Rücktritts, falls er zum Handeln gegen seine Überzeugungen gezwungen würde. Eine konkrete Überlegung sei dies für ihn aber nicht, stellte er klar.

Merkel selbst rief dazu auf, nicht länger über einen "Grexit" zu diskutieren. Vielmehr müsse schnell verhandelt werden, damit Griechenland möglichst zügig wieder auf die Beine komme. "Aber wir werden natürlich auch hart verhandeln", sagte sie im Sommerinterview mit der ARD . Die kompromisslose Haltung von Merkel und Schäuble in den Griechenland-Gesprächen beschert der Union ein neues Sympathie-Hoch: Nach einer neuen Emnid-Umfrage erreichen CDU und CSU derzeit 43 Prozent, das ist der höchste Wert seit Januar. > Siehe auch