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Fünf Politiker, die sich in der Corona-Pandemie nicht entschuldigen brauchen

Souveräne Politiker in der Pandemie : Unaufgeregt im Corona-Maschinenraum

Nicht jeder Politiker muss es wie Kanzlerin Angela Merkel halten: Fünf, die sich nicht entschuldigen brauchen.

Gesundheitsminister Jens Spahn, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowieso – würde man Bürger fragen, käme wohl eine lange Liste an Politikern zusammen, die sich wie die Kanzlerin für Pannen bei der Corona-Politik entschuldigen sollten. Im Bund und in den Ländern. Es gibt aber auch welche, die nicht um Verzeihung bitten müssen. Fünf Beispiele, für die das gilt:

Hubertus Heil. Der Arbeitsminister sitzt im Corona-Maschinenraum. Unaufgeregt arbeitet Heil sein Pensum ab. Erst am Mittwoch verlängerte das Kabinett erneut den vereinfachten Zugang zum Kurzarbeitergeld. Es ist das zentrale Instrument zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Eine deutsche Erfolgsgeschichte im Kampf gegen die Folgen der Pandemie. Außerdem hat der SPD-Politiker zusammen mit Familienministerin Franziska Giffey (SPD) für mehr Kinderkrankentage gesorgt, um die Familien zu entlasten. Inzwischen spannte Heil auch einen „Schutzschirm für Auszubildende“. In seinem Amtsbereich hat der Minister die Corona-Lage weitgehend im Griff.

Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Verteidigungsministerin sorgt solide dafür, dass die Bundeswehr hilft. Ohne die Unterstützung der Truppe würde der Kampf gegen Corona in vielen Kommunen nicht funktionieren. Derzeit sind 11 000 Soldaten in Senioren- und Pflegeheimen, in Impfzentren und Gesundheitsämtern im Einsatz. Inzwischen hat die Zahl der bewilligten Amtshilfeanträge von Ländern und Kommunen die 5000er-Marke geknackt. „Wir werden so lange unterstützen, wie wir gebraucht werden“, verspricht die Ministerin. In Gesprächen ermuntert AKK immer wieder dazu, die Hilfe der Truppe anzufordern. Sie führt im Kampf gegen Corona.

  Hubertus Heil (SPD)
Hubertus Heil (SPD) Foto: dpa/Kay Nietfeld

Boris Palmer. Der Tübinger Oberbürgermeister zeigt, wie es geht. Nicht immer sind die Äußerungen des Grünen geschickt, er eckt an. Gerade in der eigenen Partei. Doch im Umgang mit dem Virus hat Palmer bundesweit Maßstäbe gesetzt und deshalb einen überregionalen Bekanntheitsgrad erreicht. In Tübingen wird getestet und getestet, so dass man dort wieder einkaufen und in Restaurants gehen kann. Inzwischen wollen viele dem Modell nacheifern. Selbst Kanzlerin Angela Merkel betonte am Donnerstag im Bundestag: „Alle können das machen.“ Palmer ist ein echter Krisengewinner.

Christian Lindner. Das muss man dem FDP-Chef lassen: Er macht als Oppositionspolitiker seinen Job derzeit so gut wie kaum ein anderer. Lindner und seine Partei treiben die Regierung an, mit innovativen Ideen und Vorschlägen im Kampf gegen die Pandemie, mit sachlicher Kritik am Corona-Management.

Zu Beginn der Krise fiel Christian Lindner eher dadurch auf, sich als Dauernörgler profilieren zu wollen. Der Schuss ging seinerzeit kräftig nach hinten los. Inzwischen ist die Ernsthaftigkeit zurück. Die Lage müsse Anlass für „einen Neustart der Pandemiepolitik sein“, sagte Lindner zu unserer Redaktion. Ihm selbst ist der Neustart bereits gelungen.

 Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen)
Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) Foto: dpa/Marijan Murat
 Christian Lindner (FDP)
Christian Lindner (FDP) Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
 Andreas Bovenschulte (SPD)
Andreas Bovenschulte (SPD) Foto: dpa/Sina Schuldt

Andreas Bovenschulte. Andreas wer? Am Donnerstagabend saß der Bremer Bürgermeister in der Sendung von Markus Lanz, eine absolute Ausnahme. Jenseits der Hansestadt kennt ihn wohl keiner. Geschweige denn, dass man weiß, wie sein Corona-Management funktioniert. Doch genau das ist der Punkt: Weil der SPD-Mann außerhalb Bremens nicht auffällt, hebt ihn das wohltuend heraus. Während die anderen 15 Ministerpräsidenten sich andauernd zu profilieren versuchen, scheint Bovenschulte bei den Bund-Länder-Runden und danach schlichtweg nicht stattzufinden. Ein Leisetreter mit hanseatischer Gelassenheit – wofür man sich nicht unbedingt entschuldigen muss.