Front National bricht mit Parteigründer

Paris · Die Parteispitze des rechtspopulistischen Front National will den unbequemen Ehrenvorsitzenden Jean-Marie Le Pen aufs Abstellgleis schieben. Doch der Machtkampf ist damit für seine Tochter Marine noch nicht ausgestanden.

In einer dürren Erklärung hat der Front National den Bruch vollzogen. "Bei einem Treffen am heutigen Tag hat das Exekutivbüro des Front National mit der notwendigen Mehrheit den Ausschluss von Herrn Jean-Marie Le Pen als Mitglied des Front National beschlossen", teilte die rechtspopulistische Partei am späten Donnerstagabend mit. Der Mann, der den ausländer- und EU-feindlichen Front National (FN) 1972 gegründet hatte, gehört seiner eigenen Formation nicht mehr an. Ein Ende, das sich schon im Frühjahr abgezeichnet hatte, als der 87-Jährige mit rechtsextremen Parolen provozierte - zum wiederholten Mal.

In einem Radiointerview bezeichnete der Europaabgeordnete die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nazis erneut als "Detail der Geschichte". Kurz darauf setzte der FN-Ehrenpräsident in einem Interview mit der rechtsextremen Zeitung "Rivarol" nach, in dem er den mit den Nazis kollaborierenden Marschall Philippe Pétain verteidigte. Das war für Marine Le Pen , die sich seit Übernahme der Parteiführung 2011 um eine "Entdämonisierung" des FN bemüht, der Anlass, einen Schlussstrich zu ziehen. "Man konnte nicht hinnehmen, dass Jean-Marie Le Pen die Zerstörung der Partei fortsetzt", begründete ihr Vize Florian Philippot nun den Ausschluss.

Doch der jungen Garde um Philippot, der 2014 in Forbach Bürgermeisterkandidat war, geht es vor allem darum, vor den Präsidentschaftswahlen 2017 auch rechtsbürgerliche Wähler anzuziehen, die von dem polternden Le Pen Senior bisher abgeschreckt wurden. Dessen größter Erfolg war 2002 der überraschende Einzug in die Stichwahl um das Präsidentenamt. Umfragen sagen seiner Tochter voraus, 2017 ebenfalls in der zweiten Runde zu landen. Bei den Europawahlen 2014 hatte die geschickte Juristin den FN schon zur stärksten Partei gemacht.

Doch der 87-Jährige will sich trotz der Erfolge seiner Tochter nicht aufs Abstellgleis schieben lassen. Rein juristisch darf der Parteigründer weiter in allen Gremien vertreten sein, denn Marine Le Pen ist mit dem Versuch gescheitert, ihm die Ehrenpräsidentschaft abzuerkennen. 94 Prozent der Mitglieder sprachen sich in einer Briefwahl für diesen Schritt aus, doch Le Pen Senior zog dagegen vor Gericht und bekam aus Verfahrensgründen Recht.

Auch jetzt will der stets elegant gekleidete Sohn eines bretonischen Fischers, der den FN vier Jahrzehnte lang führte, mit rechtlichen Mitteln gegen seinen Parteiausschluss vorgehen. Zum Sommertreffen des FN Anfang September in Marseille wolle er kommen, kündigte er an, denn: "Der Front National bin ich." Dann könnte es zur Begegnung mit seiner Tochter kommen, die am Donnerstag nicht zur Sitzung des Exekutivbüros erschienen war. "Marine Le Pen hat Papa nicht selbst getötet. Sie hat ihn durch ihre Schergen töten lassen", höhnte Jean-Marie Le Pen gestern im Radio.

Der öffentlich ausgetragene Familienstreit täuscht allerdings über die ideologische Nähe hinweg, die nach wie vor zwischen Vater und Tochter herrscht. Denn Marine Le Pen hat das nationalistische Gedankengut ihres Vaters übernommen. Ihre Partei hetzt gegen Muslime und fordert, Arbeitsplätze, Sozialwohnungen und Kindergeld nur an Franzosen zu vergeben. "Diese Art, die Rechte an die Herkunft zu knüpfen, ist eine Sichtweise der extremen Rechten", bemerkt der Historiker und FN-Experte Nicolas Lebourg in "Le Monde ". Der Ausschluss von Jean-Marie Le Pen ändert daran nichts.

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