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Fremdes Leben unter unserer HautVor allem Alten- und Pflegeheime sind betroffen

Fremdes Leben unter unserer HautVor allem Alten- und Pflegeheime sind betroffen

Saarbrücken. Nicht mit Kopfläusen verwechselt werden dürfen die Milben. Sie lösen die Krätze aus, in der Fachsprache "Skabies" genannt. Milben graben in unserer Haut Gänge und vermehren sich dort. Sie ernähren sich von Zellflüssigkeit, Lymphe und Hautzellen

Saarbrücken. Nicht mit Kopfläusen verwechselt werden dürfen die Milben. Sie lösen die Krätze aus, in der Fachsprache "Skabies" genannt. Milben graben in unserer Haut Gänge und vermehren sich dort. Sie ernähren sich von Zellflüssigkeit, Lymphe und Hautzellen. Eine Ansteckung erfolgt meist durch engen Hautkontakt, überwiegend in Familien und Gemeinschaftseinrichtungen. Schlechte hygienische Verhältnisse begünstigen die Ausbreitung. Auch über infizierte Gegenstände kann Krätze übertragen werden. In Frage kommen Kleidung, Bettwäsche, Matratzen, Handtücher, Plüschtiere, auch Blutdruckmanschetten und Thermometer. Krätzmilben können je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit einige Tage ohne ihren menschlichen Wirt überleben. Wird jemand erstmals infiziert, dauert es durchschnittlich vier Wochen bis erste Symptome auftreten. Sie beruhen unter anderem auf einer allergischen Reaktion auf die Ausscheidungen der Milben. Der Hautausschlag kann sehr unterschiedlich sein, von Rötungen und Knötchen über Bläschen bis hin zu Eiterpusteln und Krusten ist alles möglich. Die Grabgänge sind als feine, komma- oder fragezeichenförmige Linien erkennbar. Bei Erwachsenen sind vor allem Hände und Ellenbogen, Brustwarzen, Leistenregion und Genitale betroffen, bei Babys findet sich der Ausschlag eher an Handflächen, Fußsohlen, Gesicht und Kopfhaut. Typisch für die Krätze ist heftiger Juckreiz, der sich nachts in der Bettwärme massiv verstärkt. Anders als bei Kopfläusen müssen alle engen Kontaktpersonen mitbehandelt werden, auch wenn sie keine Symptome haben. Während der Behandlung ist ein täglicher Wechsel von Bettwäsche, Unterwäsche und Handtüchern unabdingbar. Die Umfeldbehandlung ist wichtig, weil Krätzmilben hartnäckige Tierchen sind. Polstermöbel und Teppiche werden abgesaugt, am besten benutzt man sie danach einige Tage lang gar nicht. Plüschtiere und Schuhe können einen Tag eingefroren werden. Kleidung und Gegenstände, die man nicht einfrieren oder bei 60 Grad waschen kann, stellt man ein bis zwei Wochen lang in Säcken an die frische Luft, um die Milben auszuhungern. AHMit Dr. Claudia Pföhler, Oberärztin an den Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg, sprach SZ-Mitarbeiterin Annette Hammes.Frage: Ist die Krätze in Deutschland auf dem Vormarsch?Pföhler: Diese Frage muss man leider mit Ja beantworten. Vor allem in Pflege- und Altenheimen beobachten wir Ausbrüche, bei denen das Personal und die Bewohner in großem Umfang infiziert sind. Dies kommt daher, dass die Krätze auch über Gegenstände wie Handtücher, Sofas und Kissen übertragen wird. SZ: Warum ist die Diagnose oft problematisch?Pföhler: Der Ausschlag kann sehr vielfältig aussehen. Bei gut gepflegten Menschen mit geringem Befall ist er manchmal mit bloßem Auge nicht von einem Ekzem zu unterscheiden, bei kleinen Kindern sind meist nur Hand- und Fußkanten betroffen. Sicherheit bringt die Untersuchung unter dem Mikroskop. SZ: Wie wird Krätze behandelt?Pföhler: In erster Linie setzen wir den Wirkstoff Permethrin ein, der dann auf jedes Fleckchen Haut vom Kinn abwärts aufgetragen wird und über Nacht einwirken muss. In schweren Fällen wird die Behandlung an drei aufeinander folgenden Tagen durchgeführt.