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Frankreich will Opfer von Atomwaffentests entschädigen

Frankreich will Opfer von Atomwaffentests entschädigen

Paris. Frankreich will erstmals die Verantwortung für die Opfer seiner Atomwaffentests übernehmen

Paris. Frankreich will erstmals die Verantwortung für die Opfer seiner Atomwaffentests übernehmen. Bis zum Sommer werde die Regierung dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, der für das erste Jahr Entschädigungen in Höhe von zehn Millionen Euro für strahlengeschädigte Soldaten, zivile Militärmitarbeiter und Bewohner der Testgebiete vorsieht, kündigte Verteidigungsminister Hervé Morin an. Noch 2001 hatte Frankreich abgestritten, dass bei den 210 Tests überhaupt Menschen verstrahlt wurden. Doch jetzt sei es an der Zeit, dass Frankreich mit sich selber ins Reine komme, sagte Morin. Künftig müssen die schätzungsweise 150 000 Betroffenen nicht mehr den Zusammenhang zwischen den Atomwaffentests und ihren Erkrankungen beweisen, sondern der Staat das Gegenteil, sollte er entsprechende Anträge ablehnen. Insgesamt sind für 18 Krankheiten Entschädigungen vorgesehen. Eine Expertenkommission soll darüber von Fall zu Fall entscheiden. Frankreich hatte unter Präsident Charles de Gaulle 1960 seine erste Atombombe in der algerischen Sahara gezündet. 1966 wurden die Atomwaffentests nach der Unabhängigkeit Algeriens nach Polynesien verlegt. Trotz heftiger internationaler Proteste ließ Präsident Jacques Chirac 1995 und 1996 die letzten Tests im Mururoa-Atoll durchführen. Erst 1998 trat Frankreich dann dem internationalen Teststopp-Abkommen bei. Seitdem werden die Tests simuliert. Mit dem geplanten Gesetz erkennt die Regierung nun erstmals an, dass es bei den Atomwaffentests mehr als zwölf Zwischenfälle gab, bei denen Radioaktivität freigesetzt wurde. Trotz Kritik in der Bevölkerung hält Frankreich auch nach dem Ende des Kalten Krieges an seiner Atomstreitkraft fest und lässt sogar neue Atom-U-Boote sowie Flugkörper mit nuklearen Sprengköpfen entwickeln. Präsident Nicolas Sarkozy hat sich zur atomaren Abschreckungspolitik bekannt. Zur Größe der Atomstreitmacht liegen keine offiziellen Daten vor. Nach Schätzungen des Instituts zur Beobachtung der französischen Atomwaffen verfügte Frankreich 2004 über 248 nukleare Sprengköpfe. wü