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Flüchtlingsstrom kommt bei uns an

Flüchtlingsstrom kommt bei uns an

Saarbrücken. Das Jugendamt des Regionalverbandes sucht Gastfamilien, Paare oder Einzelpersonen, die minderjährige Flüchtlinge zeitlich befristet bei sich aufnehmen. Denn immer mehr minderjährige Flüchtlinge, meist aus Afghanistan, kommen im Saarland an. Mittlerweile hat das Jugendamt erhebliche Schwierigkeiten bei der Unterbringung

Saarbrücken. Das Jugendamt des Regionalverbandes sucht Gastfamilien, Paare oder Einzelpersonen, die minderjährige Flüchtlinge zeitlich befristet bei sich aufnehmen. Denn immer mehr minderjährige Flüchtlinge, meist aus Afghanistan, kommen im Saarland an. Mittlerweile hat das Jugendamt erhebliche Schwierigkeiten bei der Unterbringung.2009 waren es lediglich zehn junge Flüchtlinge, die das Jugendamt des Regionalverbands in Obhut nahm. 2010 stieg die Zahl bereits auf 41. In diesem Jahr sind es bereits in den ersten vier Monaten schon über 60 Minderjährige, die hier eingereist sind. Eine Entwicklung, die für den Regionalverband und das Jugendamt eine enorme Herausforderung darstellt, sagte Regionalverbandsdirektor Peter Gillo am Montag vor der Presse. Die Jugendlichen, überwiegend Jungen zwischen 14 und 17 Jahren, kommen meist aus Afghanistan und haben eine wochen- oder gar monatelange Flucht von Afghanistan über den Irak, die Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich hinter sich.

98 Prozent der Jugendlichen werden auf dem Saarbrücker Hauptbahnhof aufgegriffen. Meist sind sie auf dem "Weg nach Frankfurt, um dort weiter in den europäischen Norden zu reisen", sagt Uschi Biedenkopf, Leiterin des Jugendamts Saarbrücken. "Wir müssen für Schutz, Unterkunft und für einen gesetzlichen Vertreter sorgen", erklärt Biedenkopf weiter. "Wir haben die afghanischen Jugendlichen zunächst in unserer Kinder- und Jugendschutzstelle in Jägersfreude untergebracht und von dort aus in Wohngruppen und Heime vermittelt." Die Wohngruppen sind aber im Saarland schon meist dicht. Die Flüchtlinge sind nun in Jugendherbergen untergebracht. "Das ist natürlich auf Dauer kein Zustand, der haltbar ist", sagt Biedenkopf. Deshalb planen die Jugendämter eine saarlandweite Anlaufstelle, die die Flüchtlinge für die ersten drei bis sechs Monate aufnehmen soll. Bis das geschieht, muss aber gehandelt werden. "Im Moment haben wir einfach eine Notsituation, und deshalb sind wir auf die Idee gekommen, die Zivilgesellschaft um Hilfe zu bitten." Nun werden Gastfamilien, Paare oder Einzelpersonen gesucht, die bereit sind, die minderjährigen Flüchtlinge aufzunehmen. "Es wäre schön, wenn es uns gelänge, Menschen und Familien für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen", sagt Gillo. "Die Jugendlichen werden von ihren Erzieherinnen als sehr engagiert, integrationswillig und bildungshungrig beschrieben. Die erste Befürchtung, dass die Jungen weibliche Erzieherinnen nicht akzeptieren, wurden gründlich widerlegt", ergänzt die Jugendamt-Leiterin.

Ein afghanischer Junge ist bereits bei einer Pflegefamilie untergebracht. "Es läuft reibungslos", sagt Biedenkopf. Das Jugendamt und andere Institutionen unterstützen die Gastfamilien und Einzelpersonen nicht nur finanziell, sondern auch fachlich.

Interessierte Familien, Paare oder Einzelpersonen erhalten nähere Informationen beim Jugendamt des Regionalverbandes, Tel. (06 81) 5 06 51 01.

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