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FBI ermittelt nach Angriff auf US-Marines

FBI ermittelt nach Angriff auf US-Marines

Ein Mann erschießt im US-Staat Tennessee aus heiterem Himmel vier Soldaten. Die Bundespolizei FBI ermittelt auf Terrorverdacht. Hat der Täter alleine gehandelt? Die Hintergründe sind zunächst unklar. Doch es gibt Indizien.

Nach der Ermordung von vier US-Soldaten im US-Staat Tennessee ermittelt die US-Bundespolizei FBI wegen Verdachts auf Inlandsterror. Der schwer bewaffnete Täter hatte bei Chattanooga zwei Militäreinrichtungen überfallen und vier Angehörige der Marines getötet sowie drei weitere Menschen verwundet, darunter einen Polizisten und einen Soldaten . Auch der Täter kam um. Bislang gehe man davon aus, dass der 24-Jährige allein gehandelt habe, sagte der FBI-Ermittler Ed Reinhold am späten Donnerstagabend. Es gebe derzeit keine Hinweise auf Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen.

Der Todesschütze war am Donnerstag zu einem Rekrutierungsbüro der Streitkräfte und anschließend zu einem Stützpunkt der US Marines nahe Chattanooga gefahren und hatte um sich geschossen. CNN zufolge hieß der Mann Mohammad Youssuf Abdulazeez und war unter anderem mit einem Schnellfeuergewehr und 30 Magazinen Munition bewaffnet.

Den Behörden war der Todesschütze zuvor nicht als möglicher Terrorist aufgefallen. Medienberichten zufolge war er ein in Kuwait geborener Jordanier, der seit langem in Tennessee lebte und in den USA eingebürgert war. Er war laut der Zeitung "Chattanooga Times Free Press" gut ausgebildet und hatte einen Ingenieursabschluss. Nachbarn und Bekannte sprachen von einer gut integrierten Familie. Der 24-Jährige soll nach Angaben des Onlineportals "The Daily Beast" einen Blog mit islamischem Inhalt geschrieben haben. Zudem soll gegen den Vater des mutmaßlichen Schützen laut "New York Times" vor einigen Jahren ermittelt worden sein, weil dieser Geld an eine Organisation mit möglichen Verbindungen zu Terrorgruppen gespendet haben soll. Der Verdacht habe sich jedoch nicht erhärtet, die Ermittlungen seien eingestellt worden.

US-Präsident Barack Obama kommentierte die Bluttat mit den Worten: "Wir nehmen alle bewaffneten Angriffe sehr ernst." Sein Mitgefühl gelte den Familien der Opfer. Der Bürgermeister von Chattanooga , Andy Berke, sprach von einem "tragischen Tag". Menschen legten in der Nähe der Tatorte Blumen nieder. An vielen staatlichen Einrichtungen der USA - besonders des Militärs - wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. In Chattanooga wurden Häuser durchsucht.

Meinung:

Internationale des Hasses

Von SZ-KorrespondentFrank Herrmann

Wenn Amerikaner von Terrorismus sprechen, denken sie zuerst an den 11. September und Al Qaida. Das Blutbad von Chattanooga macht indes einmal mehr deutlich, dass man keine Organisation hinter sich haben muss, um zum Terroristen zu werden.

Man braucht nur eine Ideologie, und die hatte der Todesschütze. Es kann ja niemand ernsthaft bezweifeln, dass er sich von radikalislamischem Gedankengut anstecken ließ, von Pamphleten, wie sie jeder aus dem Internet herunterladen kann. Selbst wenn er auf eigene Faust handelte, geht es in die Irre, ihn als "einsamen Wolf" zu charakterisieren. Mohammed Youssef Abdulaziz ist Teil einer Internationale, einer Internationale des Hasses.