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Fast alle wollen den Lagerwahlkampf

Fast alle wollen den Lagerwahlkampf

Berlin. Lagerwahlkampf, das ist die große Zuspitzung, die Zerteilung der Wählerschaft: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Ein solcher Wahlkampf zeichnet sich nach den Parteitagen von CDU und SPD und den Reden der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück für 2013 ab. Doch es gibt Warner.Merkel hatte in Hannover erklärt, dass mit der FDP die Schnittmengen klar am größten seien

Berlin. Lagerwahlkampf, das ist die große Zuspitzung, die Zerteilung der Wählerschaft: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Ein solcher Wahlkampf zeichnet sich nach den Parteitagen von CDU und SPD und den Reden der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück für 2013 ab. Doch es gibt Warner.

Merkel hatte in Hannover erklärt, dass mit der FDP die Schnittmengen klar am größten seien. Sie wolle das jetzige Bündnis erneuern. Peer Steinbrück sagte am Sonntag vor jubelnden Sozialdemokraten, dass er Rot-Grün wolle und sonst nichts. Vor allem eine große Koalition sei mit ihm nicht zu machen. Das Bekenntnis freute gestern vor allem die Grünen. Mit ihrem Parteitag hätte die SPD in den Wahlkampfmodus umgeschaltet, lobte Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin und hob Steinbrücks "klare Aussage" gegen ein Bündnis mit der Union hervor. Parteichefin Claudia Roth hingegen hat offenbar Rest-Misstrauen gegen die Sozialdemokraten. Sie sagte, in diesem Wahlkampf gehe es in Wahrheit um Große Koalition oder Rot-Grün. Vorentscheidend ist aus ihrer Sicht die Landtagswahl am 20. Januar in Niedersachsen. Gewännen dort SPD und Grüne, würden bundesweit schon 50 Millionen Menschen von einer solchen Konstellation regiert - ein klares Signal, es auch im Bund so zu machen.

Indirekt war auch die FDP froh über Steinbrücks Rede. Der habe sich in Hannover dem linken Flügel seiner Partei zugewandt und damit von der FDP entfernt, meinte Parteichef Philipp Rösler auf die Frage, ob eine Ampelkoalition wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher geworden sei. Ähnlich Generalsekretär Patrick Döring. Es gebe nur noch "ganz, ganz wenige Schnittmengen" mit der SPD, meinte er. Man konnte die Erleichterung förmlich spüren, denn Steinbrück hatte den Liberalen in den letzten Wochen vorsichtige Avancen gemacht.

Jetzt ist der Frontverlauf wieder deutlich. "Es wird klar werden, worum es bei den Wahlen im nächsten Jahr geht: eine Fortsetzung der erfolgreichen christlich-liberalen Stabilitätspolitik oder ein Wechsel zu rot-grüner Schuldenmacherei", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warnte dagegen: "Ich empfehle meiner Partei dringend, von einem Lagerwahlkampf Abstand zu nehmen." Die FDP solle stattdessen lieber stärker auf Distanz zur Union gehen und sich eine Ampel offen halten. Kubicki: "Für mich ist jede Regierung mit FDP-Beteiligung besser als eine ohne FDP-Beteiligung."

In keine einzige Koalitionsspekulation einbezogen waren gestern die Linken, die Steinbrück am Sonntag nicht mal der Erwähnung für würdig befunden hatte. Parteichef Bernd Riexinger rächte sich mit dem dezenten Hinweis, dass die Chancen des SPD-Kandidaten auf eine Kanzlerschaft gering sind. "Er hat keine Aussicht auf eine Mehrheit, das ist sein Problem."